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DIN 18534 und DIN 18535: Abdichtung im Innenraum

DIN und Regelwerke Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Seit die Abdichtungsnormen nach Bauteilen geordnet sind, entscheidet nicht mehr der Abdichtungsstoff über die anzuwendende Norm, sondern die Lage und die Nutzung der Fläche. Für Innenräume gilt DIN 18534, für Behälter und Becken DIN 18535, für erdberührte Bauteile DIN 18533. Diese Zuordnung klingt nach Formsache und greift tief in den Fußbodenaufbau ein: Sie legt fest, in welcher Ebene abgedichtet wird, welche Eigenschaften der Estrich darunter mitbringen muss und in welcher Reihenfolge die Gewerke arbeiten.

Wie die Normenreihe geordnet ist

Die Abdichtungsnormen sind nach Bauteilen gegliedert und nicht nach Stoffen. DIN 18531 behandelt Dächer sowie Balkone, Loggien und Laubengänge, DIN 18532 befahrbare Verkehrsflächen aus Beton, DIN 18533 erdberührte Bauteile, DIN 18534 Innenräume und DIN 18535 Behälter und Becken. Für eine Fläche im Gebäude ist damit zuerst zu klären, welches Bauteil vorliegt und welche Norm gilt; erst danach folgt die Frage nach dem Abdichtungsstoff. Diese Reihenfolge ist der eigentliche Gewinn der Neuordnung, denn sie verhindert, dass ein vorhandenes Produkt die Bauart bestimmt.

Innerhalb von DIN 18534 steht im ersten Teil, was die Planung braucht: die Einordnung der Wassereinwirkung, die Berücksichtigung von Untergrundverformungen, die zulässigen Abdichtungsbauarten und die Grundsätze für Anschlüsse. Die weiteren Teile sind nach Bauart und Abdichtungsstoff gegliedert – bahnenförmige Stoffe, flüssig zu verarbeitende Stoffe, Abdichtungen im Verbund mit Fliesen und Platten, Gussasphalt. Wer die Norm nur nach dem Teil aufschlägt, der zum eingekauften Material passt, überspringt genau die Entscheidung, die vor der Materialwahl liegt.

Die Abdichtungsebene ist damit beschrieben, der Untergrund nicht. Für den Estrich gilt weiterhin DIN 18560, für die Ebenheit DIN 18202, für die Verlegung des Oberbelags das Regelwerk des jeweiligen Belags. Diese Normen greifen an derselben Fläche ineinander, und die Schnittstellen liegen dort, wo eine Schicht Eigenschaften mitbringen muss, die eine andere Norm fordert: eine Estrichoberfläche ohne Sinterschicht, eine Restfeuchte passend zu Bindemittel und Belag, eine Fugenteilung, die sich in der Abdichtung fortsetzen lässt.

Einwirkung, Untergrund, Bauart: die drei Eingangsgrößen

DIN 18534 beschreibt die Wassereinwirkung einer Fläche in Klassen von gering bis sehr hoch und ordnet jeder Klasse die Bauarten zu, die dafür in Frage kommen. Die Klasse ist eine Eigenschaft der Fläche und nicht des Raumes: Im selben Bad können der Duschbereich und die Fläche hinter der Tür unterschiedlich eingeordnet sein. Welche Zuordnung im Einzelfall gilt, ist der Norm zu entnehmen. Für die Planung zählt vor allem, dass die Einordnung vor der Wahl des Stoffes erfolgt und nicht danach.

Die zweite Eingangsgröße ist der Untergrund. Eine Abdichtung im Verbund liegt unmittelbar auf dem Estrich und folgt jeder seiner Bewegungen. Deshalb unterscheidet die Norm nach dem Riss- und Verformungsverhalten des Untergrunds: Ein schwimmender Zementestrich verformt sich anders als ein Verbundestrich, eine Holzwerkstoffplatte anders als eine Betonplatte. Aus der Kombination von Wassereinwirkung und Untergrund ergibt sich, ob eine Abdichtung im Verbund genügt oder eine Bauart mit eigener Rissüberbrückung in einer eigenen Ebene nötig wird.

  • Die Wassereinwirkung der Fläche wird nach Häufigkeit, Menge und Art des Wassers eingeordnet, einschließlich der Reinigung im späteren Betrieb.
  • Untergrundart und Verformungsverhalten entscheiden darüber, ob die Abdichtung den Bewegungen folgen kann oder eine rissüberbrückende Bauart braucht.
  • Die Lage der Abdichtungsebene legt fest, welche Schichten im Schadensfall Wasser aufnehmen und ob sie wieder abtrocknen können.
  • Der Oberbelag bestimmt mit, ob die Abdichtung im Verbund arbeiten kann oder unter einer eigenen lastverteilenden Schicht liegen muss.
  • Anschlüsse und Durchdringungen bestimmen Aufwand und Reihenfolge, weil sie vor dem Estricheinbau festgelegt sein müssen.

Abdichtung im Verbund: die Ebene direkt unter dem Belag

Die Abdichtung im Verbund wird auf den fertigen Estrich aufgebracht, und der Belag wird im Dünnbett unmittelbar darauf verlegt. Im Innenraum ist das der Regelfall, weil der Weg für eindringendes Wasser kurz bleibt: Über der Abdichtung liegen nur Klebstoff und Belag, darunter bleibt der Aufbau trocken. Verwendet werden flüssig zu verarbeitende Stoffe oder Bahnen. Beide brauchen einen Untergrund, der die geforderte Schichtdicke in der Fläche stehen lässt, ohne sie an Graten abzuziehen und in Senken anzureichern.

Über der Abdichtung liegen nur zwei dünne Schichten. Jede Undichtheit im Belag bleibt damit oberhalb der trockenen Tragschichten.
Über der Abdichtung liegen nur zwei dünne Schichten. Jede Undichtheit im Belag bleibt damit oberhalb der trockenen Tragschichten.

Die Anforderungen an den Estrich stehen damit fest, bevor die Abdichtung beginnt. Die Oberfläche muss fest und gleichmäßig saugfähig sein, frei von Sinterschicht und Trennmitteln; die Restfeuchte richtet sich nach Bindemittel und Belag; die Ebenheit muss so beschaffen sein, dass kein Wasser in Senken stehen bleibt. Keine dieser Eigenschaften lässt sich herstellen, nachdem die erste Lage aufgebracht ist. Wird die Fläche vorher nicht geprüft, entscheidet die Oberfläche des Estrichs über die Dichtheit der Abdichtung.

Die Grenze der Bauart liegt in den Bewegungen des Untergrunds. Risse und Fugen im Estrich setzen sich in der Abdichtung fort, wenn sie überspachtelt statt überbrückt werden. Bewegungsfugen werden deshalb mit Dichtband ausgeführt und im Belag an derselben Stelle fortgeführt. Der Fugenplan gehört damit vor die Abdichtungsarbeit und nicht in die Belagsverlegung.

Abdichtung unter dem Estrich und gegen das Erdreich

Die zweite mögliche Ebene liegt unter dem Estrich, auf der Rohdecke oder auf einer Zwischenschicht, ausgeführt mit Bahnen oder mit Gussasphalt. Sinnvoll ist sie, wenn der Estrich selbst wasserführend sein soll oder wenn die Fläche so viel Wasser erhält, dass der Belag nicht als dichte Ebene geplant wird. Der Nachteil ist bekannt: Alles über der Abdichtung wird zur Wanne. Wasser, das durch Belagsfugen eindringt, sammelt sich im Estrich und in der Dämmschicht und trocknet unter einem dichten Belag praktisch nicht ab.

Dieselbe Undichtheit im Belag führt zu zwei Schadensbildern. Der Unterschied liegt allein in der Höhe der Abdichtungsebene.
Dieselbe Undichtheit im Belag führt zu zwei Schadensbildern. Der Unterschied liegt allein in der Höhe der Abdichtungsebene.

Bei erdberührten Bodenplatten kommt eine zweite Norm hinzu. Die Abdichtung gegen Bodenfeuchte und Wasser aus dem Erdreich fällt unter DIN 18533 und liegt unter oder auf der Bodenplatte, also unter dem gesamten Fußbodenaufbau. Sie wirkt gegen Wasser von außen, die Innenraumabdichtung gegen Wasser von innen. In einem Bad im Erdgeschoss liegen damit zwei Abdichtungsebenen mit verschiedenen Aufgaben übereinander. Der Fußbodenaufbau darf die untere nicht durchdringen, und die obere muss an Wand, Türschwelle und Ablauf für sich geschlossen sein.

Aus der Praxis

Wir messen in Bädern die Oberkante des Ablaufkörpers ein, bevor der Estrich kalkuliert wird. In den Fällen, in denen der Ablauf schon saß, blieb für Gefälle und Estrichdicke am Tiefpunkt regelmäßig zu wenig übrig, und die Abdichtungsbauart war durch die vorhandene Flanschausführung bereits vorgegeben. Zehn Minuten mit dem Nivelliergerät vor der Rohinstallation ersparen später das Stemmen im fertigen Rohbau.

Anschlüsse und Durchdringungen entscheiden über die Dichtheit

In der Fläche ist eine Abdichtung unkompliziert. Undicht wird sie dort, wo sie endet oder unterbrochen ist. Die Norm behandelt Anschlüsse deshalb ausführlich: den Übergang auf die Wandfläche, die Höhe, bis zu der die Abdichtung geführt wird, den Anschluss an Türschwellen, an Einbauteile und an Bauwerksfugen. Der Wandanschluss wird über die Höhe geführt, die das Wasser auf der Fläche erreichen kann; bei einer bodengleichen Dusche reicht diese Höhe über die Duschfläche hinaus.

Durchdringungen brauchen eine Lösung, die zur Bauart passt. Bodenabläufe und Rinnen werden mit einer Flanschausführung geliefert, die auf die gewählte Abdichtung abgestimmt ist: ein Klebeflansch für Abdichtungen im Verbund, eine Los- und Festflanschkonstruktion für bahnenförmige Abdichtungen. Rohre erhalten Manschetten und keine Verspachtelung, und Befestigungen werden nicht durch die Abdichtungsebene geschraubt. Alles davon ist vor dem Estricheinbau zu klären, weil Ablaufkörper und Rohrlagen zu diesem Zeitpunkt bereits sitzen.

  • Flächen einzeln einordnen und die Abdichtungsbauart daraus ableiten, getrennt für Duschbereich, übrige Bodenfläche und Wandflächen.
  • Ablaufkörper, Rinnen und Durchdringungen mit der gewählten Bauart abstimmen, bevor die Rohinstallation eingebaut wird.
  • Höhen festlegen: Oberkante des Ablaufs, Gefälle, Estrichdicke am Tiefpunkt und Anschlusshöhe an der Wand.
  • Fugenteilung des Estrichs festlegen, damit Bewegungsfugen in Abdichtung und Belag an derselben Stelle liegen.
  • Untergrund prüfen: Festigkeit, Sinterschicht, Restfeuchte, Ebenheit und Sauberkeit der Fläche.
  • Abdichtung mit allen Anschlüssen und Manschetten ausführen und erst nach der Trocknungszeit nach Produktangabe belegen.

DIN 18535: Becken und Behälter im Innenraum

DIN 18535 gilt für Behälter und Becken, also für Bauteile, in denen Wasser dauerhaft steht: Schwimmbecken, Wasserspeicher, Auffangbecken. Die Einwirkung unterscheidet sich grundsätzlich von der auf einer Innenraumfläche. Wasser steht nicht zeitweise, sondern dauernd, mit Druck aus der Füllhöhe und häufig mit Wasserbehandlungsmitteln. Die Norm gliedert die Einwirkung nach Nutzung und Einstauhöhe und stellt entsprechend höhere Anforderungen an Untergrund und Abdichtung, bis hinein in die Rissbreitenbegrenzung des Betonbauteils.

Für die Bodenarbeiten ist vor allem die Grenze zwischen beiden Normen wichtig, und die läuft an der Beckenkante. Das Becken fällt unter DIN 18535, der Umgang ist eine Innenraumfläche mit hoher Wassereinwirkung nach DIN 18534. Beide Bereiche treffen an der Rinne aufeinander, und dort müssen die Abdichtungsebenen so geführt werden, dass kein Wasser hinter die Abdichtung des Umgangs läuft. Der Estrich im Umgang braucht dafür Gefälle zur Rinne, eine dauerhaft feuchtebeständige Bauart und eine Oberfläche, die die Abdichtung aufnehmen kann.

Wie wir diese Vorgaben in der Ausführung umsetzen, steht auf der Leistungsseite Estricharbeiten. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Gilt DIN 18534 auch für Bäder ohne Bodenablauf?

Ja. Die Norm ordnet Flächen nach der Wassereinwirkung ein und nicht nach dem Vorhandensein eines Ablaufs. Ein Bad ohne Ablauf fällt in eine niedrigere Klasse als eine bodengleiche Dusche mit Ablauf, braucht im Spritzwasserbereich aber ebenfalls eine Abdichtung in der zugeordneten Bauart.

Kann eine Abdichtung im Verbund auf Calciumsulfatestrich ausgeführt werden?

In mäßig belasteten Flächen ja, wenn die Restfeuchte passend zum Bindemittel erreicht ist und die Grundierung zum Untergrund passt. In Bereichen mit dauerhafter Feuchte fällt dieses Bindemittel aus, weil es unter anhaltender Durchfeuchtung entfestigt – unabhängig davon, wie dicht die Abdichtung darüber ausgeführt ist.

Müssen Estrichfugen in der Abdichtung fortgeführt werden?

Ja. Bewegungsfugen werden mit einem Dichtband überbrückt und im Belag an derselben Stelle fortgeführt. Wird eine Fuge überspachtelt, reißt die Abdichtung mit der ersten Bewegung, und der Riss liegt unter dem Belag und damit außerhalb jeder Sichtprüfung.

Wann muss die Abdichtungsbauart festgelegt sein?

Vor dem Einbau der Rohinstallation. Ablaufkörper und Rinnen werden mit einer Flanschausführung für eine bestimmte Bauart geliefert, und ihre Einbauhöhe legt Gefälle und Estrichdicke am Tiefpunkt fest. Wird die Bauart später gewählt, richtet sie sich nach dem, was schon eingebaut ist.

Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.

Schicken Sie uns das Leistungsverzeichnis, den Grundriss oder einfach Fläche und Termin. Wir prüfen Ihre Angaben und klären den nächsten Schritt zur Kalkulation – mit einem Hinweis, wenn am geplanten Aufbau etwas nicht zusammenpasst.