Zum Inhalt springen

Unzureichende Oberflächenfestigkeit des Estrichs

Schäden und Mängel Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Ein Estrich kann normgerecht fest sein und trotzdem eine Oberfläche haben, die den vorgesehenen Belag nicht trägt. Festigkeitsklasse und Oberflächenzugfestigkeit sind zwei verschiedene Größen — und für die Haftung des Belags zählt die zweite.

Schadensbild

Eine unzureichende Oberflächenfestigkeit zeigt sich in der Regel durch absandende oder wundgelaufene Stellen an der Oberfläche sowie durch eine unzureichende Ritzfestigkeit bei der Gitterritzprüfung. Möglich ist außerdem eine für den vorgesehenen Bodenbelag nicht ausreichende Oberflächenzugfestigkeit, ohne dass die Fläche optisch auffällt.

Die Ritzprüfung ist dabei eine gewerkeübliche, orientierende Prüfung. Die Ritztiefe lässt keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Festigkeitsklasse zu — sie zeigt ein Problem an, misst es aber nicht.

Ursachen

Eine unzureichende Mörtelqualität, gegebenenfalls in Verbindung mit nicht fachgerechter Verarbeitung, setzt die Oberflächenfestigkeit herab. Zwei Mechanismen sind dabei besonders häufig: das Bluten des Estrichmörtels, bei dem sich Wasser an der Oberfläche absetzt, und ein zu frühes Glätten der Oberfläche.

Trocknet die Estrichoberfläche nach dem Einbau zu schnell aus, kann die obere Randzone verbrennen. Ein zu schneller Wasserentzug verhindert die ausreichende Hydratation des Zementestrichs beziehungsweise die ausreichende kristalline Wasserbindung bei Calciumsulfatestrichen. Geringe Oberflächenfestigkeiten sind die Folge.

Bei konventionellen Calciumsulfatestrichen ist auf einen ausreichend hohen Bindemittelgehalt zu achten. Bei Verwendung von Calciumsulfatbinder sollte das Mischungsverhältnis Binder zu Gesteinskörnung möglichst nicht über 1 : 3,5 bis 3,75 Masseteile liegen, um mindestens die Festigkeit CA-F4 zu erreichen.

Erreichbare Oberflächenzugfestigkeit

Für erreichbare Oberflächenzugfestigkeiten von Estrichen ohne zusätzliche Untergrundvorbereitung werden bei guten Voraussetzungen folgende Orientierungswerte genannt:

EstrichklasseOrientierungswert
CT-C25-F4 und CA-C25-F4ca. 0,7 N/mm²
CT-C35-F5 und CA-C35-F6ca. 0,9 N/mm²
CT-C45-F6 und CA-C45-F7ca. 1,2 N/mm²

Calciumsulfatfließestriche erreichen bei gleicher Festigkeitsklasse in der Regel etwas höhere Werte. Nach entsprechender Untergrundvorbereitung sind ebenfalls höhere Werte möglich.

Erforderliche Oberflächenzugfestigkeit je Belag

BodenbelagRichtwert (Mittelwert)
keramische und Natursteinbeläge, ohne Fahrbeanspruchung0,5 N/mm²
keramische und Natursteinbeläge, mit Fahrbeanspruchung1,0 N/mm²
textile Beläge0,5 N/mm²
textile Beläge im Bürobereich0,8 N/mm²
elastische Beläge, ohne Fahrbeanspruchung0,8 N/mm²
elastische Beläge im Bürobereich1,0 N/mm²
Parkett1,0 N/mm²
Holzpflaster1,2 N/mm²

Stellt man beide Tabellen nebeneinander, wird die Planungsaufgabe sichtbar: Ein CT-C25-F4 mit rund 0,7 N/mm² trägt einen textilen Belag und keramische Beläge ohne Fahrbeanspruchung. Für Parkett mit 1,0 N/mm² reicht er ohne Untergrundvorbereitung nicht.

Für Zementestriche unter Holzpflaster ist beispielsweise ein Estrich der Festigkeitsklasse CT-F5 vorzusehen, der nach gegebenenfalls erforderlicher weiterer Untergrundvorbereitung in der Regel eine ausreichende Oberflächenfestigkeit erreicht.

Die Prüfung der Oberflächenzugfestigkeit ist keine Regelprüfung. Ihre Durchführung und die Beurteilung der Ergebnisse erfordern besondere Sachkenntnis und Geräte.

Vermeidung

Mörtelseitig: geeignete Ausgangsstoffe, Bindemittel mit Konformitätsbescheinigung, ausreichende Mischzeit von mindestens zwei Minuten nach Zugabe aller Komponenten, Mischerfüllung von etwa 80 % und der Einsatz geeigneter Zusatzmittel, um den Wasserbindemittelwert klein zu halten und das Bluten zu vermeiden.

Ausführungsseitig: nicht zu früh glätten und die Oberfläche vor zu schnellem Wasserentzug schützen — also kein Zugluft, keine überhöhten Innentemperaturen, keine direkte Sonneneinstrahlung auf frische Flächen.

Um höhere Oberflächenfestigkeiten zu erreichen, sind besondere Maßnahmen erforderlich, etwa eine geeignete maschinelle Bearbeitung oder eine Imprägnierung.

In Zweifelsfällen empfehlen sich Musterflächen und Probeverklebungen mit dem geplanten Bodenbelag. Das ist deutlich günstiger als eine großflächige Ablösung nach der Verlegung.

Aus der Ausführung

Parkett und Holzpflaster brauchen eine höhere Oberflächenzugfestigkeit, als ein CT-F4 ohne Untergrundvorbereitung erreicht. Deshalb werden Festigkeitsklasse und vorgesehener Belag gemeinsam festgelegt, bevor der Estrich eingebaut wird; nachträglich bleibt nur der Weg über eine zusätzliche Untergrundvorbereitung.

Damit es im Projekt gar nicht erst so weit kommt: Wie wir Untergrund, Aufbau und Schnittstellen vorab klären, steht auf der Leistungsseite Estricharbeiten. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Festigkeitsklasse und Oberflächenzugfestigkeit?

Die Festigkeitsklasse beschreibt die Biegezug- bzw. Druckfestigkeit des Estrichs als Bauteil. Die Oberflächenzugfestigkeit beschreibt, wie fest die oberste Zone ist – und die entscheidet über die Haftung des Belags.

Reicht die Gitterritzprüfung als Nachweis?

Nein. Sie ist eine orientierende, gewerkeübliche Prüfung. Ihre Ritztiefe lässt keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Festigkeitsklasse zu.

Was tun bei absandender Oberfläche?

Ursache klären und die Fläche vorbereiten – etwa durch mechanische Bearbeitung und geeignete Grundierung. Ob das ausreicht, hängt von der Tiefe der Schädigung und vom vorgesehenen Belag ab.

Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.

Schicken Sie uns das Leistungsverzeichnis, den Grundriss oder einfach Fläche und Termin. Wir prüfen Ihre Angaben und klären den nächsten Schritt zur Kalkulation – mit einem Hinweis, wenn am geplanten Aufbau etwas nicht zusammenpasst.