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Gussasphaltestrich: Einbau ohne Wartezeit

Estrich Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Gussasphaltestrich unterscheidet sich grundlegend von allen mineralisch gebundenen Estrichen: Er wird heiß eingebaut, enthält kein Anmachwasser und ist nach dem Abkühlen fertig. Damit entfällt die Trocknungszeit vollständig. Dafür bringt er eigene Randbedingungen mit – bei der Aufbauhöhe, beim Untergrund, bei der Temperatur und bei der Wahl des Oberbelags.

Was Gussasphalt eigentlich ist

Gussasphalt besteht aus Bitumen als Bindemittel, abgestufter Gesteinskörnung und einem hohen Anteil an Füller. Die Mischung wird im Werk bei hoher Temperatur hergestellt, im beheizten Kocher zur Baustelle gefahren und mit rund 220 bis 250 °C auf die Fläche gebracht. Sie ist in diesem Zustand gieß- und streichbar und wird ohne Verdichtung eingebaut – daher der Name.

Der Hohlraumgehalt liegt praktisch bei null: Der Füller füllt die Zwischenräume der Gesteinskörnung vollständig aus. Daraus ergibt sich eine Eigenschaft, die kein anderer Estrich mitbringt – Gussasphalt ist von sich aus wasserundurchlässig und dampfbremsend. Er wird deshalb in bestimmten Konstruktionen gleichzeitig als Estrich und als abdichtende Schicht eingesetzt.

Das Erstarren ist ein rein physikalischer Vorgang. Die Masse kühlt ab und wird fest, es findet keine chemische Reaktion statt und es verdunstet kein Wasser. Ein Gussasphaltestrich schwindet daher nicht, er schüsselt nicht und er braucht keine Nachbehandlung. Eine Belegreifemessung gibt es nicht, weil es keine Restfeuchte gibt.

Die Kehrseite derselben Eigenschaft: Was durch Abkühlen fest wird, wird durch Erwärmen wieder weicher. Gussasphalt ist ein thermoplastisches Material. Bei dauerhaft hohen Temperaturen und unter dauerhaft stehender Punktlast verformt er sich langsam – nicht spontan, aber messbar über die Zeit. Genau darauf zielen die Härteklassen ab.

Härteklassen: was IC 10 und IC 40 bedeuten

Gussasphaltestrich trägt das Kurzzeichen AS, ergänzt um eine Härteklasse in der Form IC 10, IC 15, IC 40 oder IC 100. Die Zahl ist keine Festigkeit im Sinne von N/mm², sondern eine gemessene Eindringtiefe in Hundertstelmillimetern: Ein genormter Stempel wird unter definierter Last und definierter Temperatur auf die Probe gesetzt, gemessen wird, wie weit er eindringt.

Kleine Zahl heißt harte Einstellung, große Zahl heißt weichere. Ein AS-IC 10 ist ein harter Estrich für höher belastete Flächen, ein AS-IC 40 oder IC 100 ist weicher und wird dort eingesetzt, wo geringe Verkehrslasten und dafür ein gewisses Verformungsvermögen gefragt sind. Für die Bemessung ist das die entscheidende Größe, weil sich Härteklasse und Nenndicke gegenseitig bedingen.

Die Klassenzahl gibt die Eindringtiefe eines Prüfstempels in Hundertstelmillimetern an. Je kleiner der Wert, desto härter der Estrich und desto höher die zulässige Belastung.
Die Klassenzahl gibt die Eindringtiefe eines Prüfstempels in Hundertstelmillimetern an. Je kleiner der Wert, desto härter der Estrich und desto höher die zulässige Belastung.

Ein Punkt wird bei der Auswahl regelmäßig übersehen: Die Härteklasse ist temperaturabhängig definiert. Wo im Betrieb dauerhaft höhere Oberflächentemperaturen auftreten – direkte Sonneneinstrahlung durch große Glasflächen, Wärmeeintrag aus der Produktion –, gehört die nächsthärtere Einstellung gewählt. Dasselbe gilt bei stehenden Punktlasten wie Regalfüßen oder Maschinenstellfüßen, die über Jahre an derselben Stelle stehen.

Bauarten und Aufbauhöhen

Gussasphalt wird in denselben drei Bauarten eingebaut wie mineralische Estriche: im Verbund, auf Trennschicht und schwimmend auf einer Dämmschicht. Die Nenndicken liegen dabei durchweg unter denen eines mineralischen Estrichs gleicher Beanspruchung. Auf einer Dämmschicht bewegen sie sich im Bereich von etwa 25 bis 35 mm, abhängig von Nutzlast und Härteklasse; im Verbund geht es deutlich darunter.

Diese geringe Bauhöhe ist in Bestandsprojekten das eigentliche Argument. Wo ein schwimmender Zementestrich mit Dämmung die verfügbare Höhe sprengt, passt ein Gussasphalt auf Trennschicht oft noch hinein. Zusammen mit der fehlenden Trocknungszeit ergibt das eine Kombination, die im bewohnten oder laufenden Bestand schwer zu schlagen ist.

Zwischen heißem Estrich und Dämmung liegt immer eine trennende Lage. Die Dämmstoffe müssen für den Einbau von Gussasphalt ausgewiesen sein – nicht jede Trittschalldämmung ist es.
Zwischen heißem Estrich und Dämmung liegt immer eine trennende Lage. Die Dämmstoffe müssen für den Einbau von Gussasphalt ausgewiesen sein – nicht jede Trittschalldämmung ist es.

Der Dämmstoff ist der Punkt, an dem die meisten Planungen stolpern. Unter Gussasphalt darf nicht jede Trittschall- oder Wärmedämmung liegen, weil sie kurzzeitig hohen Temperaturen ausgesetzt wird. Geeignet sind Dämmstoffe, die dafür ausdrücklich ausgewiesen sind; andernfalls ist eine zusätzliche schützende Lage erforderlich. Wird das im Leistungsverzeichnis nicht benannt, kommt regelmäßig ein Dämmstoff auf die Baustelle, der so nicht überbaut werden kann.

Auch der Randdämmstreifen ist ein anderer als beim mineralischen Estrich: Er muss die Einbautemperatur aushalten, ohne zu schmelzen oder zu schrumpfen. Ein schrumpfender Randstreifen erzeugt genau den starren Randanschluss, den die Konstruktion nicht verträgt.

Der Einbautag

Der Einbau von Gussasphalt ist logistisch enger getaktet als der eines mineralischen Estrichs. Die Masse muss bei Temperatur verarbeitet werden, der Kocher steht vor dem Gebäude, und die Fläche wird in Bahnen abgearbeitet. Unterbrechungen sind möglich, aber jede Unterbrechung wird als Bahnenstoß sichtbar und muss sauber angeschlossen werden.

  • Untergrund vollständig vorbereiten: sauber, trocken und frei von losen Teilen. Der heiße Estrich verdampft Restwasser aus dem Untergrund, das dann Blasen bildet.
  • Trennlage und Randdämmstreifen einbauen, beides in für Gussasphalt geeigneter Ausführung.
  • Höhen einmessen und Lehren setzen. Nachträgliches Korrigieren der Höhe ist bei Gussasphalt nicht möglich.
  • Masse einbringen und mit dem Reibebrett in Bahnen verteilen und abziehen.
  • Oberfläche nach Vorgabe absanden oder glatt belassen – je nachdem, was der spätere Belag verlangt.
  • Fläche abkühlen lassen, danach ist sie begeh- und belegbar.

Lüftung ist während des Einbaus ein eigenes Thema. Es entstehen Dämpfe, und die Fläche ist heiß. In bewohnten Gebäuden oder im laufenden Betrieb muss der Bereich abgetrennt und belüftet werden, angrenzende Nutzungen werden für die Dauer des Einbaus unterbrochen. Das ist planbar, aber es will geplant sein – nicht am Morgen des Einbautages.

Aus der Ausführung

Restfeuchte im Untergrund ist der häufigste Grund für Blasen im fertigen Gussasphalt. Der heiße Estrich verdampft das Wasser, der Dampf kann nicht weg und drückt die Masse von unten auf. Wir prüfen deshalb vor dem Einbau auf einer Verbundfläche immer die Untergrundfeuchte, auch wenn die Fläche seit Wochen trocken aussieht – Betonrestfeuchte sieht man nicht.

Beläge auf Gussasphalt

Gussasphalt kann als Nutzestrich sichtbar bleiben, etwa in Lager- und Technikräumen. In den meisten Fällen kommt aber ein Oberbelag darauf, und dabei gelten andere Regeln als bei mineralischem Untergrund. Der Untergrund ist bitumenhaltig, thermoplastisch und dampfdicht – alle drei Eigenschaften spielen bei der Belagswahl eine Rolle.

Die Oberfläche wird üblicherweise mit feinem Sand abgestreut. Das verhindert, dass der noch weiche Estrich beim Begehen Abdrücke bekommt, und schafft gleichzeitig eine raue Kontaktfläche. Vor der Belagsverlegung wird der lose Sand abgekehrt oder abgesaugt; der eingewalzte Anteil bleibt und ist Teil des Untergrunds.

Bei elastischen Belägen ist die Verträglichkeit von Klebstoff und Bitumen zu beachten. Weichmacher aus manchen Belägen können in den bitumenhaltigen Untergrund wandern, umgekehrt können Bitumenbestandteile hellere Beläge verfärben. Praktisch wird das über eine geeignete Spachtelmasse in ausreichender Dicke gelöst, die beide Schichten voneinander trennt. Welche Spachtelmasse dafür freigegeben ist, sagt deren Hersteller.

BelagAuf GussasphaltZu beachten
Elastische Beläge, LVTüblichtrennende Spachtelschicht, Klebstoff freigegeben
Textile BelägeüblichSpachtelung nach Belagsanforderung
Fliesen, keramischmöglichEntkopplung erforderlich, da Untergrund verformbar
Parkett, geklebteingeschränktSystemfreigabe des Klebstoffherstellers nötig
Ohne Belag als NutzestrichmöglichHärteklasse nach Beanspruchung wählen

Entscheidend ist in allen Fällen die Freigabe des jeweiligen Klebstoff- oder Spachtelsystems für bitumenhaltige Untergründe.

Bei starren Belägen wie großformatiger Keramik kommt die Verformbarkeit ins Spiel. Ein Gussasphaltestrich arbeitet unter Temperatur und unter Last mehr als ein Zementestrich. Diese Bewegung muss der Belagsaufbau aufnehmen, üblicherweise über eine Entkopplungslage und ein passendes Fugenraster. Ein Dünnbettmörtel direkt auf abgesandetem Gussasphalt ist keine dauerhafte Lösung.

Wo Gussasphalt die richtige Wahl ist

Die typische Konstellation ist die Sanierung unter Zeitdruck: geringe verfügbare Aufbauhöhe, kein Platz für Trocknungszeit, oft ein Gebäude, das weiter genutzt wird. Dazu kommen Flächen, bei denen kein Wasser in die Konstruktion eingebracht werden darf – über Holzbalkendecken, über empfindlichen Bestandsdecken, in Bereichen mit darunterliegender Technik.

Die zweite Anwendung ist der dichtende Estrich. Weil Gussasphalt hohlraumfrei und wasserundurchlässig ist, übernimmt er in bestimmten Aufbauten die Funktion einer abdichtenden Lage mit – in Parkhäusern, in Industrieflächen mit wassergefährdenden Stoffen, in bestimmten Nassbereichen. Das ist ein eigenes Planungsthema, weil dann Anschlüsse, Durchdringungen und Aufkantungen zur Abdichtung gehören.

Gegen Gussasphalt spricht dauerhafte Wärme in Verbindung mit hoher Punktlast, und es spricht die Einbausituation dagegen, wenn der Bereich weder abtrennbar noch belüftbar ist. In Standardwohnungsbau mit ausreichender Aufbauhöhe und normalem Terminplan gibt es dagegen selten einen Grund, vom mineralischen Estrich abzuweichen – dort ist Gussasphalt technisch möglich, aber nicht die naheliegende Lösung.

Sie planen Estricharbeiten für ein Bauvorhaben? Unsere Leistungsseite erläutert Ausführung und Schnittstellen: Estricharbeiten. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Gussasphalt begehbar ist?

Bis die Fläche auf eine begehbare Temperatur abgekühlt ist, also wenige Stunden. Eine Trocknungszeit gibt es nicht, weil der Estrich kein Anmachwasser enthält.

Ist Gussasphaltestrich für Fußbodenheizung geeignet?

Nur mit dafür ausgelegten Systemen. Der heiße Einbau und die thermoplastische Eigenschaft des Materials machen die Abstimmung von Rohrlage, Überdeckung, Härteklasse und Vorlauftemperatur zur Systemfrage, die vor der Ausschreibung geklärt gehört.

Muss bei Gussasphalt eine Belegreife gemessen werden?

Nein. Es gibt keine Restfeuchte im Estrich, also auch keine Belegreifemessung. Gemessen werden muss dagegen die Feuchte des Untergrunds, bevor im Verbund eingebaut wird.

Riecht Gussasphalt nach dem Einbau noch?

Während des Einbaus und in der Abkühlphase ist ein deutlicher Geruch vorhanden, der danach abklingt. Der Bereich wird deshalb abgetrennt und belüftet, angrenzende Nutzungen werden für diesen Zeitraum unterbrochen.

Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.

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