Fugen im Estrich: Bewegungs-, Rand- und Scheinfugen
Der Fugenplan legt fest, wo sich die Estrichfläche bewegen darf. Fehlt diese Feldeinteilung, sucht sich die Platte ihre Trennstellen selbst — und zwar als Riss. Der Plan gehört zur Planung des Bauwerks, ist Bestandteil der Leistungsbeschreibung und liegt vor Beginn der Estricharbeiten vor.
Die drei Fugenarten
Die Estrichnorm unterscheidet für Estriche auf Dämm- und Trennschichten drei Fugenarten. Bewegungsfugen ermöglichen Verformungen des Estrichs infolge Schwindens, Temperatureinwirkung oder Belastung — in waagerechter wie in senkrechter Richtung. Randfugen sind Bewegungsfugen, die den Estrich an Wänden und an durchdringenden Bauteilen begrenzen. Scheinfugen werden angelegt, um Verkürzungen infolge Schwindens zu ermöglichen; sie sind Sollbruchstellen, keine durchgehenden Trennungen.
Davon zu unterscheiden sind Bauwerksfugen. Sie gehen durch alle tragenden und nichttragenden Teile des Gebäudes hindurch und müssen im Estrich und im Belag an derselben Stelle und in der geplanten Art und Breite übernommen werden.
Wie die Feldeinteilung entsteht
Der Fugenplan entsteht in der Planung des Bauwerks und liegt als Bestandteil der Leistungsbeschreibung vor Beginn der Estricharbeiten vor. Die endgültige Lage der Fugen wird vor der Ausführung vor Ort mit allen Beteiligten abgestimmt — sinnvollerweise in einem Koordinierungsgespräch.
Bei der Festlegung von Fugenabständen, Fugenbreiten und Feldgrößen sind die Geometrie der Fläche, die Beanspruchung durch Nutzlasten und Temperaturänderungen, die Art des Bindemittels und der vorgesehene Bodenbelag zu berücksichtigen.
Aus der Ausführung
Enthält ein Leistungsverzeichnis keinen Fugenplan, klären wir die Feldeinteilung vor Beginn der Arbeiten. Erst wenn Lage und Breite der Fugen fest sind, lässt sich die Fläche in Felder teilen, die zur Geometrie und zum Bindemittel passen.
Feldgrößen und Geometrie
Notwendige Fugen sind so anzuordnen, dass gedrungene Felder entstehen — die Länge möglichst nicht größer als das Doppelte der Breite. Geometrische Randbedingungen wie einspringende Ecken an Wandpfeilern, Wandscheiben oder Kaminen sowie Erweiterungen und Verengungen der Estrichfläche sind zu berücksichtigen.
An diesen Stellen werden bei Zementestrichen in der Regel Scheinfugen als Sollbruchstellen angelegt. Bei calciumsulfatgebundenen Estrichen sind Scheinfugen im Allgemeinen nicht erforderlich.
Aufgehende und die Bodenkonstruktion durchdringende Bauteile — Rohre, Steigleitungen, Heizungsrohre, Stützen — müssen durch Randfugen vom Estrich getrennt werden.
Heizestriche: engere Grenzen
Bei beheizten Estrichen, die Steinbeläge oder keramische Beläge aufnehmen sollen, und generell bei elektrisch beheizten Estrichen sollten die Estrichflächen durch Bewegungsfugen getrennt werden. Die Seitenlänge sollte 8 m bei Zementestrichen beziehungsweise 10 m bei Calciumsulfatestrichen nicht wesentlich überschreiten, bei einem Seitenverhältnis von höchstens 1:2.
Größere Flächen sind möglich, bedürfen aber einer besonderen Planung. Empfohlen wird darüber hinaus, bei Heizestrichen Bewegungsfugen unabhängig vom Bodenbelag nach diesen Flächenmaßen anzuordnen. Wird darauf verzichtet, sollte der Randstreifen entsprechend dicker dimensioniert werden.
Sind Bewegungsfugen innerhalb einer Heizestrichfläche erforderlich, müssen die Heizsysteme deren Ausbildung überhaupt ermöglichen. Bei Heizestrichen der Bauart A sollen Bewegungs- und Randfugen nur von Anbindeleitungen und nur in einer Ebene überquert werden; im Fugenbereich sind die Anbindeleitungen mit einem flexiblen, dünnwandigen Schutzrohr von etwa 0,3 m Länge zu umhüllen.
Randfugenbreite berechnen
Bei Heizestrichen müssen Randfugen bei Seitenlängen bis 8 m so breit ausgeführt werden, dass eine Bewegungsmöglichkeit von mindestens 5 mm sichergestellt ist. Bei größeren Seitenlängen ist die Breite zu berechnen:
Breite = Wärmeausdehnungskoeffizient × Temperaturdifferenz × Seitenlänge + Randdämmstreifen im zusammengedrückten Zustand
| Rechengröße | Wert im Beispiel |
|---|---|
| Wärmeausdehnungskoeffizient Zementestrich | 0,012 mm/(m·K) |
| Temperaturdifferenz | 40 K |
| Seitenlänge | 11 m |
| Randdämmstreifen zusammengedrückt | 4 mm |
| erforderliche Randfugenbreite | 9,28 mm |
| gewählter Randdämmstreifen | 10 mm |
Bei anderen Wärmeausdehnungskoeffizienten ergeben sich andere erforderliche Dicken. Die Rechnung ist einfach — sie wird nur selten durchgeführt, weshalb in großen Heizestrichflächen häufig 8-mm-Streifen liegen, wo 10 oder 12 mm erforderlich wären.
Ausführung
Bewegungsfugen sind von der Oberfläche des Estrichs bis auf den tragenden Untergrund oder bis auf die Abdeckung der Dämmschicht auszubilden. Werden sie mit Profilen ausgeführt, sind diese mit dem Estrich zu verbinden. Ist eine Bewehrung vorgesehen, ist sie an der Bewegungsfuge zu unterbrechen.
Gegen Höhenversatz können Bewegungsfugen mit ummantelten Dübeln gesichert werden, die waagerechte Bewegungen zulassen. Verformungen wie Schüsselung verhindern Dübel nicht. Bei höheren Verkehrslasten als im Wohnungsbau üblich — über 2,0 kN/m² — stammen Dübelabmessungen und -abstände aus der Planung. Zu beachten ist, dass Dübel die Schallübertragung negativ beeinflussen können. Bei Calciumsulfatestrichen auf Trennschicht ist eine Verdübelung im Allgemeinen nicht notwendig.
Scheinfugen erfüllen ihre Funktion in der Regel, wenn der Estrichquerschnitt zu etwa einem Drittel eingeschnitten wird. Nach Erreichen der Belegreife werden sie dauerhaft kraftschlüssig geschlossen. Eine Ausnahme gilt für Scheinfugen in Türlaibungen und Türdurchgängen, die auch im Stein- oder Keramikbelag als Fuge übernommen werden — diese sollten offen bleiben und sind dann gegen Höhenversatz zu sichern.
Fugen sind deckungsgleich im Bodenbelag zu übernehmen. Ist das nicht möglich, müssen sie kraftschlüssig verschlossen und an geeigneter Stelle neu angelegt werden. Bei Fahrbeanspruchung, etwa in Krankenhausfluren, ist bei der Fugenausbildung die Kantenpressung besonders zu berücksichtigen.
Fugenmassen sind wartungsbedürftig
Werden Bewegungsfugen mit Fugenmassen geschlossen, müssen diese elastoplastisches Verhalten aufweisen — also bei Dehnung, Stauchung und Scherung ein gutes Rückstellvermögen zeigen. Die mögliche Gesamtverformung liegt bei den gängigen Massen zwischen 10 % und 25 % der Fugenbreite.
Daraus folgt eine unbequeme Rechnung: Bei einer zu erwartenden Bewegung von 5 mm und einer Fugenmasse mit 20 % möglicher Gesamtverformung wäre eine Fugenbreite von etwa 25 mm erforderlich. Solche Breiten werden in der Praxis nicht ausgeführt. Mit Fugenabrissen ist deshalb zu rechnen — mit Fugenmassen geschlossene Fugen sind aus technischer Sicht grundsätzlich wartungsbedürftig.
Beim Einbau gilt: Fugenflanken fest, sauber und trocken, möglichst mit Primer vorbehandelt. Die Verfugungstiefe sollte das 0,8- bis 1,0-fache der Fugenbreite betragen, jedoch nicht mehr als 15 mm und nicht weniger als 8 mm. Dreiflankenhaftung ist auszuschließen, die Fugenmasse durch Abstellmaterial gegen Absacken zu sichern.
Wichtig für die Planung
Mit Fugenmasse geschlossene Fugen sind in der Regel nicht dauerhaft flüssigkeitsdicht. Sie stellen keine Abdichtung dar. Wo Dichtheit gefordert ist, ist eine Abdichtungsebene zu planen.
Der Estrich ist dabei nur eine Schicht von mehreren. Wie wir den Aufbau als Ganzes ausführen und übergeben, steht auf der Leistungsseite Estricharbeiten. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.
Häufige Fragen
Wann liegt der Fugenplan vor?
Vor Beginn der Estricharbeiten. Er entsteht in der Planung des Bauwerks und ist Bestandteil der Leistungsbeschreibung; die endgültige Lage wird vor der Ausführung mit allen Beteiligten abgestimmt.
Wie groß darf ein Heizestrichfeld sein?
Bei Stein- und Keramikbelägen sowie generell bei elektrischer Beheizung sollte die Seitenlänge 8 m bei Zementestrich und 10 m bei Calciumsulfatestrich nicht wesentlich überschreiten, bei einem Seitenverhältnis bis 1:2.
Brauchen Calciumsulfatestriche Scheinfugen?
Im Allgemeinen nicht. Abweichungen können bei besonderer thermischer Belastung erforderlich werden.
Ersetzt eine verfüllte Fuge eine Abdichtung?
Nein. Mit Fugenmasse geschlossene Fugen sind in der Regel nicht dauerhaft flüssigkeitsdicht.
Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.
Schicken Sie uns das Leistungsverzeichnis, den Grundriss oder einfach Fläche und Termin. Wir prüfen Ihre Angaben und klären den nächsten Schritt zur Kalkulation – mit einem Hinweis, wenn am geplanten Aufbau etwas nicht zusammenpasst.