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Parkett: Anforderungen an Untergrund und Raumklima

Oberboden Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Bei den meisten Bodenbelägen endet die Verantwortung des Untergrunds mit der Verlegung. Bei Parkett nicht. Holz nimmt Feuchte aus der Raumluft auf und gibt sie wieder ab, und es verändert dabei sein Maß – über die gesamte Nutzungsdauer. Deshalb entscheiden bei Parkett drei Dinge über das Ergebnis: die Restfeuchte des Estrichs, seine Oberflächenfestigkeit und das Raumklima vor, während und nach der Verlegung.

Warum Holz auf den Untergrund anders reagiert als jeder andere Belag

Holz steht mit der umgebenden Luft im Feuchteaustausch. Es stellt sich auf eine Gleichgewichtsfeuchte ein, die von Temperatur und relativer Luftfeuchte abhängt. Bei rund 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte liegt sie bei etwa 9 %. Genau auf diesen Wert wird Parkett werkseitig getrocknet und ausgeliefert, mit einer Toleranz von wenigen Prozentpunkten. Diese Zahl ist der Ausgangspunkt für alles Weitere.

Steigt die Luftfeuchte, nimmt das Holz Feuchte auf und quillt. Sinkt sie, gibt es Feuchte ab und schwindet. Beides geschieht überwiegend quer zur Faser, in der Länge dagegen kaum. Ein 200 mm breites Element verändert seine Breite also messbar, seine Länge praktisch nicht. Daraus ergeben sich Fugen im Winter und Aufwölbungen im Sommer – beides keine Materialfehler, sondern das normale Verhalten des Werkstoffs.

Die Stärke dieser Bewegung hängt von der Holzart und vom Einschnitt ab. Buche und Ahorn arbeiten deutlich stärker als Eiche; stehende Jahresringe – rift- oder halbriftgeschnitten – bewegen sich in der Breite weniger als liegende. Wer eine große, geschlossene Fläche in einem Gebäude mit stark schwankendem Klima plant, trifft mit einer ruhigen Holzart und einem stehenden Einschnitt eine Entscheidung, die später nicht mehr korrigierbar ist.

Für den Untergrund folgt daraus: Er muss nicht nur trocken sein, damit die Klebung hält, sondern auch, damit er dem Holz später keine Feuchte zuführt. Ein Estrich, der oberflächlich belegreif gemessen wurde, aber im Querschnitt noch Feuchte hat, gibt sie unter einem dampfbremsenden Parkettaufbau nach oben ab. Das Ergebnis ist eine Fläche, die sich über Monate aufwölbt.

Restfeuchte: die harte Grenze

Die Belegreife wird mit der CM-Messung bestimmt. Die Probe kommt aus dem unteren Drittel des Querschnitts, weil dort die höchste Feuchte sitzt – ein schwimmender Estrich trocknet nach unten nicht ab. Eine Messung aus der oberen Hälfte ergibt einen zu günstigen Wert und ist wertlos.

Estrichunbeheiztbeheizt
Zementestrich (CT)2,0 CM-%1,8 CM-%
Calciumsulfatestrich (CA)0,5 CM-%0,3 CM-%

Grenzwerte der Belegreife für Parkett. Bei beheizten Konstruktionen gilt der niedrigere Wert, weil die Heizung die verbliebene Feuchte später in Bewegung bringt.

Der große Unterschied zwischen den beiden Estricharten hat einen einfachen Grund: Calciumsulfat verliert unter Feuchte an Festigkeit, Zement nicht. Ein Calciumsulfatestrich, der unter einem geklebten Parkett feucht bleibt, wird weich – und zwar genau an der Stelle, an der die Klebung ihn braucht. Deshalb sind die Werte dort so niedrig angesetzt, dass praktisch keine Reserve bleibt.

Zwischen 1,8 und 2,0 CM-% liegt der Bereich, in dem es auf die Frage ankommt, ob die Konstruktion beheizt ist. Darüber wird nicht verlegt, sondern weiter getrocknet.
Zwischen 1,8 und 2,0 CM-% liegt der Bereich, in dem es auf die Frage ankommt, ob die Konstruktion beheizt ist. Darüber wird nicht verlegt, sondern weiter getrocknet.

Ein Punkt wird regelmäßig übersehen: Die Messung beschreibt einen Zustand zum Zeitpunkt der Probenentnahme. Wird danach noch feucht gearbeitet – Malerarbeiten, Fliesenarbeiten im Nachbarraum, Estrichnacharbeiten –, kann die Fläche wieder Feuchte aufnehmen. Bei Parkett ist deshalb nicht nur wichtig, wann gemessen wurde, sondern auch, was zwischen Messung und Verlegung noch passiert ist.

Oberflächenfestigkeit: die Schicht, an der die Klebung hängt

Bei geklebtem Parkett wirken erhebliche Kräfte in der Klebefuge. Jede Feuchteänderung erzeugt Quell- und Schwindkräfte, die das Element gegen den Untergrund schieben. Die Klebung hält diese Kräfte nur, wenn der Estrich sie aufnehmen kann – und die schwächste Stelle ist fast immer die oberste Schicht des Estrichs, nicht der Klebstoff.

Deshalb wird für Parkettklebungen eine Oberflächenzugfestigkeit verlangt, die deutlich über dem liegt, was für elastische Beläge genügt; üblich ist eine Größenordnung von 1,0 N/mm², bei großformatigen Elementen entsprechend mehr. Ein Zementestrich mit Sinterschicht erreicht diesen Wert nicht. Die Sinterschicht besteht aus Feinstanteilen, die beim Abziehen an die Oberfläche geschwemmt wurden; sie sieht fest aus und lässt sich mit einem Schraubendreher abheben.

Entfernt wird sie mechanisch: schleifen bei dünnen Schichten, fräsen oder kugelstrahlen, wenn mehr abgetragen werden muss. Anschließend wird abgesaugt, grundiert und – bei Parkett fast immer – ganzflächig gespachtelt. Wichtig ist dabei, dass die Spachtelmasse für Parkettklebungen ausgewiesen ist. Nicht jede Ausgleichsmasse bringt die nötige Eigenfestigkeit mit; eine Masse, die unter einem Designbelag problemlos funktioniert, kann unter Parkett zur Trennschicht werden.

Aus der Ausführung

Die Gitterritzprüfung ist in einer Minute gemacht und sagt mehr als jede Sichtprüfung. Mit einem Ritzgerät ein Gittermuster in die Estrichoberfläche ziehen: Bleiben die Stege stehen, ist die Fläche tragfähig. Brechen sie aus oder lässt sich das Material zwischen den Linien mit dem Finger wegwischen, wird geschliffen – vor dem Grundieren, nicht danach.

Ebenheit und Vorbereitung

Bei geklebtem Parkett sorgt die Klebstoffschicht für einen gewissen Ausgleich, aber nur im Zehntelmillimeterbereich. Alles darüber muss der Untergrund liefern oder die Spachtelung herstellen. Eine Mulde unter einem geklebten Element bedeutet, dass das Element dort nicht satt aufliegt – und eine Hohlstelle unter einer Diele ist der Ausgangspunkt für Knarren und für ein Ablösen unter Belastung.

Bei schwimmender Verlegung ist die Ebenheit noch wichtiger, weil dort gar nichts ausgleicht. Die Elemente liegen auf einer Dämmunterlage und sind nur untereinander verbunden. Über einer Unebenheit wird die Verbindung bei jedem Schritt durchgebogen, bis sie ausschlägt. Knarrende schwimmende Flächen haben fast nie eine schlechte Verriegelung als Ursache, sondern einen ungenügend vorbereiteten Untergrund.

  • Ebenheit mit der Richtlatte über mehrere Messstrecken prüfen und das Ergebnis festhalten.
  • Estrichoberfläche schleifen oder fräsen, bis eine feste, sinterfreie Oberfläche erreicht ist.
  • Gitterritzprüfung an mehreren Stellen, besonders im Randbereich und an Arbeitsfugen.
  • Restfeuchte messen, Probe aus dem unteren Drittel, Messstellen protokollieren.
  • Grundieren und ganzflächig mit einer für Parkett geeigneten Masse spachteln.
  • Raumklima herstellen und Parkett darin akklimatisieren, erst danach verlegen.

Zur Reihenfolge auf der Baustelle: Parkett gehört ans Ende. Malerarbeiten bringen erhebliche Mengen Wasser in den Raum, Estrichnacharbeiten und Fliesenarbeiten ebenso. Wird Parkett vor diesen Gewerken verlegt, nimmt es die Feuchte auf, quillt und behält die Verformung teilweise. Auch Abdeckungen helfen dagegen wenig, weil die Feuchte über die Raumluft kommt und nicht von oben auf die Fläche.

Raumklima: vor, während und nach der Verlegung

Vor der Verlegung wird das Raumklima hergestellt, in dem später genutzt wird – nicht umgekehrt. Übliche Vorgaben sind eine Raumtemperatur von mindestens 18 °C, eine Untergrundtemperatur nicht unter 15 °C und eine relative Luftfeuchte etwa im Bereich zwischen 30 und 65 %. In diesem Klima wird das Parkett akklimatisiert, und zwar in der Verpackung, weil unverpackte Elemente einseitig austrocknen und sich schüsseln.

Während der Verlegung bleibt dieses Klima konstant. Ein Bautrockner, der im Nachbarraum läuft, oder eine Fensterfront, die zur Belüftung offensteht, verändert die Holzfeuchte binnen Stunden – und was beim Verlegen eingebaut wird, ist der Ausgangszustand, von dem aus alle späteren Bewegungen gerechnet werden.

Nach der Verlegung geht es um die Nutzung. Fugen im Winter entstehen, weil beheizte Raumluft sehr trocken wird; bei anhaltend niedriger Luftfeuchte sinkt die Holzfeuchte deutlich unter den Einbauwert. Das ist ein reversibler Vorgang, solange die Bewegung gleichmäßig über alle Fugen verteilt bleibt. Kritisch wird es, wenn einzelne Elemente durch die Klebung festgehalten werden und die gesamte Bewegung sich in wenigen Fugen sammelt – dann entstehen breite Einzelfugen oder Risse im Element.

SituationWas im Holz passiertSichtbares Ergebnis
Luftfeuchte dauerhaft unter 30 %Holzfeuchte sinkt, Elemente schwindenFugen zwischen den Elementen
Luftfeuchte dauerhaft über 65 %Holzfeuchte steigt, Elemente quellenAufwölbung, Randfuge geschlossen
Feuchte aus dem EstrichUnterseite quillt stärker als OberseiteSchüsselung nach unten, Hohlstellen
Schnelles Aufheizen nach VerlegungOberseite trocknet vorausSchüsselung nach oben, offene Fugen

Parkett auf beheiztem Estrich

Auf Heizestrich kommen zwei Bedingungen dazu. Erstens muss die Fläche vor der Verlegung kontrolliert aufgeheizt und wieder abgesenkt worden sein; die Feuchtemessung erfolgt im heruntergefahrenen Zustand, und die Messstellen sind vorher festgelegt und durchgehend dieselben. Zweitens gilt der niedrigere Grenzwert der Belegreife, weil die Heizung die verbliebene Feuchte später aktiv in Richtung Belag treibt.

Die Überdeckung über dem Rohr bestimmt, wie gleichmäßig die Wärme an der Oberfläche ankommt. Zu geringe Überdeckung zeichnet den Rohrverlauf im Parkett als Streifenmuster nach.
Die Überdeckung über dem Rohr bestimmt, wie gleichmäßig die Wärme an der Oberfläche ankommt. Zu geringe Überdeckung zeichnet den Rohrverlauf im Parkett als Streifenmuster nach.

Die Oberflächentemperatur wird bei Parkett auf üblicherweise 29 °C begrenzt. Das ist kein Komfortwert, sondern eine Materialgrenze: Höhere Temperaturen trocknen das Holz von unten aus, während die Raumluft von oben eine andere Feuchte vorgibt. Das Element schüsselt, weil Ober- und Unterseite unterschiedliche Holzfeuchten annehmen.

Für die Holzartenwahl gilt hier dasselbe wie bei schwankendem Raumklima, nur verschärft: Holzarten mit geringem Schwindmaß und stehende Jahresringe sind die ruhigere Lösung. Und die Belagswahl gehört mit der Heizungsauslegung zusammengedacht, weil Parkett als Wärmewiderstand wirkt – ein dickes Massivparkett verlangt eine höhere Vorlauftemperatur als ein dünnes Fertigparkett, und die höhere Vorlauftemperatur belastet wiederum das Holz.

Sie planen Parkett für ein Bauvorhaben? Unsere Leistungsseite erläutert Untergrund, Verlegung und Schnittstellen: Parkett. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Wie trocken muss der Estrich für Parkett sein?

Bei Zementestrich 2,0 CM-%, bei beheizter Ausführung 1,8 CM-%. Bei Calciumsulfatestrich 0,5 beziehungsweise 0,3 CM-%. Die Probe muss aus dem unteren Drittel des Querschnitts stammen, sonst ist der Wert zu günstig.

Warum entstehen im Winter Fugen im Parkett?

Weil beheizte Raumluft sehr trocken wird und das Holz Feuchte abgibt. Es schwindet quer zur Faser, und die Bewegung verteilt sich auf die Fugen. Bei ausgeglichener Luftfeuchte schließen sich diese Fugen im Sommer wieder weitgehend.

Muss unter Parkett gespachtelt werden?

In aller Regel ja, und zwar mit einer Masse, die für Parkettklebungen ausgewiesen ist. Sie stellt die Ebenheit her und liefert eine Oberfläche mit ausreichender Eigenfestigkeit für die Schubkräfte aus dem Quellen und Schwinden.

Wann darf Parkett auf der Baustelle verlegt werden?

Als eines der letzten Gewerke, nach allen feuchten Arbeiten und nachdem das spätere Nutzungsklima hergestellt ist. Das Parkett wird in diesem Klima akklimatisiert, und zwar verpackt, damit die Elemente nicht einseitig austrocknen.

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