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Dämmstoff-Kurzzeichen und Kennwerte lesen

DIN und Regelwerke Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Auf jeder Dämmplatte unter einem Estrich steht eine Kurzzeichenfolge, die drei Regelwerke gleichzeitig bedient: die Produktnorm des Dämmstoffs, die Anwendungstypen der DIN 4108-10 und die Kennwerte, mit denen DIN 18560-2 die Estrichdicke bestimmt. Wer sie lesen kann, erkennt vor dem Einbau, ob die Platte zum geplanten Aufbau passt. Wer sie überliest, erkennt es an der fertigen Fläche – an der Aufbauhöhe, an der Estrichdicke oder am Ergebnis der Trittschallmessung.

Drei Regelwerke auf einem Etikett

Die Kurzzeichen auf dem Aufdruck haben verschiedene Herkunft, und das erklärt, warum sie so unterschiedlich aussehen. Die harmonisierten Produktnormen der einzelnen Dämmstoffe legen fest, welche Eigenschaften geprüft und in welcher Reihenfolge sie im Bezeichnungsschlüssel genannt werden. DIN 4108-10 ordnet diese Eigenschaften einem Einbauort zu und beschreibt sie als Anwendungstyp. DIN 18560-2 greift auf zwei dieser Kennwerte zurück, wenn sie die Nenndicke des Estrichs festlegt.

Diese Trennung ist nützlich, sobald man sie kennt. Der Bezeichnungsschlüssel der Produktnorm sagt, was an der Platte gemessen wurde – er ist eine lange Kette aus Buchstabengruppen und Zahlen und beschreibt Maßhaltigkeit, Festigkeit, Verformung und Wasseraufnahme. Der Anwendungstyp nach DIN 4108-10 ist die Zusammenfassung daraus für einen bestimmten Einbauort. Steht auf der Platte kein Anwendungstyp, sondern nur der Bezeichnungsschlüssel, lässt sich der Typ daraus ableiten, aber er ist eben nicht zugesichert.

Für den Fußbodenaufbau sind aus dieser Menge vier Angaben entscheidend: der Anwendungstyp, die Bemessungswärmeleitfähigkeit, die Zusammendrückbarkeit und – bei Schallschutzanforderungen – die dynamische Steifigkeit. Alles andere ist für die Dämmebene unter einem Estrich zweitrangig. Diese vier Angaben entscheiden über Estrichdicke, Aufbauhöhe, Trittschallwirkung und Wärmeschutznachweis, und sie sind an der eingebauten Fläche später nicht mehr feststellbar.

Anwendungstypen: welcher Buchstabe welchen Einbauort meint

Der Anwendungstyp beginnt mit dem Bauteil und endet mit der Lage im Bauteil. D steht für Dach und Decke, W für Wand, P für Perimeter. Der zweite und dritte Buchstabe beschreiben die Lage und die maßgebende Beanspruchung. Unter einem Estrich treffen sich zwei Typen, die sich in nur einem Buchstaben unterscheiden und in ihrer Wirkung grundverschieden sind.

KurzzeichenEinbauortWas der Typ verlangt
DESDämmung unter Estrich mit Schallschutzanforderungnachgewiesene dynamische Steifigkeit bei begrenzter Zusammendrückbarkeit
DEODämmung unter Estrich ohne SchallschutzanforderungDruckbelastbarkeit, ohne Anforderung an die dynamische Steifigkeit
DAADämmung des Daches oder der Decke unter AbdichtungDruckbelastbarkeit und Maßhaltigkeit unter einer Abdichtung
PBPerimeterdämmung unter der Bodenplattedauerhafte Druckbelastbarkeit, geringe Wasseraufnahme, Frostwiderstand
PWPerimeterdämmung außen an der erdberührten Wandwie PB, zusätzlich Widerstand gegen Beanspruchung beim Verfüllen

Der Typ beschreibt den Einbauort und damit, welche Eigenschaften überhaupt geprüft wurden. Zwei Platten aus demselben Material können deshalb verschiedene Typen tragen.

Seit der Ausgabe von 2015 wird der Typ durch angehängte Kleinbuchstaben genauer gefasst: bei DEO nach der Höhe der Druckbelastbarkeit, bei DES nach der zulässigen Zusammendrückbarkeit. Diese Zusätze sind der eigentliche Gewinn der Norm, weil sie die häufigste Verwechslung auflösen. Eine DEO-Platte trägt hohe Lasten und verbessert den Trittschall praktisch nicht; eine DES-Platte federt und ist dafür in der Last begrenzt. Beide sind gleich dick, gleich grau und liegen an derselben Stelle im Aufbau.

Die gleiche Dicke, die gleiche Lage, zwei verschiedene Anwendungstypen: Das Verbesserungsmaß entsteht nicht aus der Dämmdicke, sondern aus der Nachgiebigkeit der Schicht.
Die gleiche Dicke, die gleiche Lage, zwei verschiedene Anwendungstypen: Das Verbesserungsmaß entsteht nicht aus der Dämmdicke, sondern aus der Nachgiebigkeit der Schicht.

Zusammendrückbarkeit CP: die Feder unter der Estrichplatte

Die Zusammendrückbarkeit ist die Differenz zwischen der Dicke der unbelasteten Platte und ihrer Dicke unter einer festgelegten Prüflast. Sie beschreibt damit nicht, wie weich die Platte ist, sondern wie viel Höhe sie beim Einbau verliert. Die Klassen werden als CP2, CP3 und CP5 angegeben; die Zahl nennt die größte zulässige Zusammendrückbarkeit in Millimetern.

Aus dieser Kennzahl folgen zwei Dinge unmittelbar. Erstens die Aufbauhöhe: Gerechnet wird mit der Dicke unter Belastung und nicht mit der Lieferdicke, weil die Platte im fertigen Aufbau zusammengedrückt ist. Zweitens die Estrichdicke: Eine nachgiebige Bettung lässt die Platte unter Last stärker durchbiegen, die Biegespannung im Querschnitt steigt, und die Norm setzt dagegen eine größere Nenndicke. Die Nenndicken der DIN 18560-2 gelten deshalb nur bis zu einer festgelegten Zusammendrückbarkeit; darüber nennt die Norm einen größeren Wert.

Bei zweilagiger Dämmung liegt die weiche Schicht oben und die druckfeste unten. Die Zusammendrückbarkeiten beider Lagen addieren sich und gehen zusammen in Estrichdicke und Aufbauhöhe ein.
Bei zweilagiger Dämmung liegt die weiche Schicht oben und die druckfeste unten. Die Zusammendrückbarkeiten beider Lagen addieren sich und gehen zusammen in Estrichdicke und Aufbauhöhe ein.

Aus der Praxis

Wir lesen bei der Anlieferung den Aufdruck von zwei Platten aus verschiedenen Paletten ab und vergleichen ihn mit dem geplanten Aufbau. Ein paar Mal im Jahr steht dort ein anderer Anwendungstyp als vorgesehen – die Platten sind dann fest, die Fläche trägt einwandfrei, und das Trittschallverbesserungsmaß fehlt vollständig. Auffällig ist das nur vor dem Einbau; danach zeigt es erst die Messung an der fertigen Decke.

Dynamische Steifigkeit SD: woraus die Trittschallwirkung entsteht

Die dynamische Steifigkeit beschreibt die Federwirkung der Schicht unter kleinen, schnellen Verformungen – also genau unter dem, was ein Schritt auslöst. Angegeben wird sie in MN/m³, und in den Klassenbezeichnungen nennt die Zahl den höchsten zulässigen Wert. Kleiner ist hier besser: Je weicher die Feder, desto wirksamer die Entkopplung.

Physikalisch bildet die Estrichplatte mit der Dämmschicht ein schwingungsfähiges System aus Masse und Feder. Dieses System hat eine Resonanzfrequenz, die mit kleinerer dynamischer Steifigkeit und größerer Flächenmasse der Platte sinkt. Oberhalb dieser Frequenz dämmt der Aufbau, unterhalb nicht. Daraus folgt der wichtigste Zusammenhang der ganzen Angabe: Trittschallschutz entsteht aus dem Zusammenspiel von weicher Schicht und schwerer Platte, nicht aus einer der beiden Größen allein. Eine dünne Estrichplatte auf sehr weicher Dämmung verschenkt Wirkung genauso wie eine dicke Platte auf steifer Dämmung.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die geprüfte Steifigkeit gilt für die Schicht im Prüfaufbau, nicht für die Fläche im Gebäude – dort kommen Flankenübertragung und Ausführungsdetails hinzu. Und jede starre Verbindung zwischen Estrich und Rohbau setzt die Feder außer Kraft: Ein Mörtelbatzen an der Wand, ein durchgestecktes Rohr oder ein fehlender Randdämmstreifen macht die beste Kennzahl wirkungslos, weil der Schall den Weg um die Feder herum nimmt.

Druckspannung und Dauerlast: was der kPa-Wert aussagt

Die Druckspannung wird bei einer Stauchung von zehn Prozent geprüft und in Kilopascal angegeben. Dieser Wert ist eine Vergleichsgröße und keine zulässige Belastung – eine Dämmschicht, die im Aufbau zehn Prozent ihrer Dicke verliert, wäre für einen Estrich unbrauchbar. Die Angabe dient der Einordnung: Sie trennt die Platte für den Wohnungsbau von der Platte unter einem Industrieboden.

  • Unter Flächenlasten im Wohnungsbau ist die Druckspannung selten die maßgebende Größe; dort entscheidet die Zusammendrückbarkeit über den Aufbau.
  • Unter hohen Nutz- und Einzellasten wird sie maßgebend, weil die Dämmschicht die Last gleichmäßig an die Decke weitergeben muss.
  • Bei dauerhaft wirkenden Lasten kommt das Kriechverhalten hinzu; es beschreibt die Verformung über die Nutzungsdauer und steht als eigener Kennwert auf der Platte.
  • Unter einer Bodenplatte tritt die Druckspannung zusammen mit Wasseraufnahme und Frostwiderstand auf, weil die Platte dort dauerhaft im feuchten Bereich liegt.
  • Bei DES-Platten ist statt der Druckspannung die angegebene Belastbarkeit der Bezugswert, und sie begrenzt, welche Nutzlasten über dieser Schicht sinnvoll sind.

Aus diesen Angaben ergibt sich auch, warum in vielen Aufbauten zwei Lagen liegen. Die weiche Lage bringt das Verbesserungsmaß, die druckfeste Lage bringt die Wärmedämmung und die Lastverteilung. Beide Aufgaben lassen sich in einer Platte nur begrenzt vereinen, weil Nachgiebigkeit und Druckfestigkeit gegenläufig sind. Wer beide Kennwerte in einer Lage sucht, bekommt in der Regel einen Kompromiss, der an einer Stelle nicht reicht.

Die Kurzzeichenfolge in der richtigen Reihenfolge lesen

Vor dem Einbau lohnt sich ein festgelegter Blick auf den Aufdruck. Er dauert zwei Minuten, und er ist der letzte Zeitpunkt, an dem eine Abweichung ohne Folgen für die Fläche bleibt.

  • Den Anwendungstyp suchen und mit dem Aufbau vergleichen: DES dort, wo eine Schallschutzanforderung besteht, DEO dort, wo Lasten abzutragen sind.
  • Die Bemessungswärmeleitfähigkeit ablesen und mit dem Wert vergleichen, mit dem der Wärmeschutznachweis geführt wurde.
  • Lieferdicke und Dicke unter Belastung unterscheiden; in die Aufbauhöhe geht die zweite ein, und nur diese passt zur Türhöhe.
  • Bei DES die dynamische Steifigkeit und die Zusammendrückbarkeit zusammen lesen, weil die erste den Trittschall und die zweite die Estrichdicke betrifft.
  • Bei DEO und PB die Druckspannung heranziehen und bei dauernder Last zusätzlich die Angabe zum Kriechverhalten.
  • Bei mehrlagigem Aufbau die Zusammendrückbarkeiten der Lagen addieren und das Ergebnis gegen die Nenndicke des Estrichs halten.

Am Ende dieser sechs Schritte steht eine Entscheidung, die sich nicht aufschieben lässt: ob die gelieferte Platte zum geplanten Estrich passt oder ob die Estrichdicke an die Platte angepasst wird. Beides ist möglich, aber nur eines davon vor dem Einbau. Nach dem Einbringen des Mörtels sind Dämmschicht und Estrichdicke eine Einheit, und jede spätere Prüfung greift auf die Kurzzeichen zurück, die niemand mehr sehen kann.

Wie wir diese Vorgaben in der Ausführung umsetzen, steht auf der Leistungsseite Estricharbeiten. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich DES und DEO, wenn beide unter dem Estrich liegen?

DES ist für Schallschutzanforderungen ausgelegt und wird mit nachgewiesener dynamischer Steifigkeit geliefert, DEO ist eine druckbelastbare Wärmedämmung ohne diesen Nachweis. Beide können gleich dick sein und an derselben Stelle liegen. Nur DES bringt ein Trittschallverbesserungsmaß, nur DEO trägt hohe Nutzlasten ohne größere Verformung.

Welche Dämmdicke geht in die Aufbauhöhe ein?

Die Dicke unter Belastung. Die Lieferdicke ist der Wert der unbelasteten Platte; im fertigen Aufbau ist die Schicht um die Zusammendrückbarkeit dünner. Bei knappen Höhen und bei mehrlagigen Aufbauten ist dieser Unterschied der Grund, warum eine Rechnung an der Türschwelle nicht aufgeht.

Addieren sich die Zusammendrückbarkeiten bei zwei Lagen?

Ja, und zwar für beide Folgen: für die Aufbauhöhe und für die Nenndicke des Estrichs. Zwei Lagen mit je geringer Zusammendrückbarkeit können zusammen über dem Wert liegen, für den die Nenndicken der DIN 18560-2 gelten. Sinnvoll ist deshalb, die Summe zu bilden, bevor die Estrichdicke festgelegt wird.

Genügt eine niedrige dynamische Steifigkeit für einen guten Trittschallschutz?

Nein, sie ist nur eine der Größen. Wirksam wird die Feder erst mit einer ausreichend schweren Estrichplatte darüber und nur dann, wenn keine starre Verbindung zum Rohbau besteht. Ein einziger Mörtelrest an der Wand oder ein fehlender Randdämmstreifen hebt die Wirkung der weichsten Dämmschicht wieder auf.

Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.

Schicken Sie uns das Leistungsverzeichnis, den Grundriss oder einfach Fläche und Termin. Wir prüfen Ihre Angaben und klären den nächsten Schritt zur Kalkulation – mit einem Hinweis, wenn am geplanten Aufbau etwas nicht zusammenpasst.