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DIN 18533: Abdichtung erdberührter Bauteile

DIN und Regelwerke Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Eine erdberührte Bodenplatte liegt dauerhaft in Feuchte, und der Fußbodenaufbau darüber soll trocken bleiben. Wie diese Trennung ausgeführt wird, regelt DIN 18533 – geordnet nicht nach dem Abdichtungsstoff, sondern nach der Einwirkung auf das Bauteil und nach der Nutzung des Raumes dahinter. Für den Estrich ist dabei weniger der Stoff entscheidend als die Lage der Abdichtungsebene: Sie bestimmt, in welche Richtung der Aufbau trocknen kann und welche Schichten über ihr liegen müssen.

Welches Bauteil in welche Norm fällt

Die Abdichtungsnormen sind nach Bauteilen geordnet. DIN 18533 gilt für erdberührte Bauteile, also für Bodenplatten, Kellerwände und erdüberschüttete Decken, DIN 18534 für Innenräume und DIN 18535 für Behälter und Becken. Entscheidend für die Zuordnung ist die Lage des Bauteils, nicht das Material der Abdichtung: Derselbe Stoff kann in beiden Normen vorkommen und wird dort für verschiedene Einwirkungen bemessen.

Die Norm selbst besteht aus drei Teilen. Teil 1 enthält die Anforderungen sowie die Planungs- und Ausführungsgrundsätze, also die Einstufung und die zulässigen Bauarten. Teil 2 behandelt Abdichtungen aus bahnenförmigen Stoffen, Teil 3 Abdichtungen aus flüssig zu verarbeitenden Stoffen. Wer eine Bauart sucht, findet sie in Teil 1; wer wissen will, wie viele Lagen, welche Trockenschichtdicke und welche Verstärkung dazugehören, liest in Teil 2 oder 3.

Außerhalb dieser Reihe steht die wasserundurchlässige Betonkonstruktion. Sie ist keine Abdichtung im Sinne der DIN 18533, sondern eine eigene Bauweise mit eigenem Regelwerk. Für den Fußbodenaufbau ist der Unterschied grundlegend: Wasserundurchlässiger Beton verhindert den Durchtritt flüssigen Wassers, nicht die Diffusion von Wasserdampf. Über einer solchen Platte steht deshalb eine andere Frage als über einer abgedichteten – nämlich die, wie viel Feuchte in der Luft und im Aufbau ankommt.

Wassereinwirkungsklassen W1-E bis W4-E

Die Wassereinwirkungsklasse ist die erste Festlegung und die Grundlage aller folgenden. Sie beschreibt, welche Art von Wasser mit welcher Höhe auf das Bauteil trifft. Die Eingangsgrößen dafür stammen aus der Planung und aus dem Bodengutachten: Bemessungswasserstand, Durchlässigkeit des Bodens, Geländeverlauf und die Frage, ob eine Dränung vorhanden ist.

KlasseEinwirkungTypische Lage
W1-EBodenfeuchte und nicht drückendes WasserBodenplatte und Kellerwand oberhalb des Bemessungswasserstands
W2.1-Emäßige Einwirkung von drückendem WasserBauteile bis etwa drei Meter Eintauchtiefe
W2.2-Ehohe Einwirkung von drückendem WasserBauteile mit größerer Eintauchtiefe
W3-Enicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten DeckenDecke über Tiefgarage oder Untergeschoss unter Erdüberschüttung
W4-ESpritzwasser am Wandsockel und Kapillarwasser in WändenÜbergang der Wand vom Erdreich in den Außenluftbereich

Die Klasse beschreibt die Einwirkung und nicht den Stoff. W1-E ist in zwei Unterklassen geteilt, deren Zuordnung sich nach Bauteillage und Wasserabführung richtet und in der Tabelle der Norm nachzulesen ist.

Wichtig ist der Unterschied zwischen nicht drückendem und drückendem Wasser, weil er über die gesamte Bauart entscheidet. Nicht drückendes Wasser sickert ab, solange der Boden durchlässig ist oder eine Dränung das Wasser abführt. Fehlt diese Voraussetzung, kann sich Wasser vor dem Bauteil stauen, und dann liegt eine höhere Klasse vor – mit anderen Bauarten, anderen Anschlusshöhen und in der Regel einer geschlossenen Wanne. Eine Einstufung in W1-E setzt also einen funktionierenden Weg für das Wasser voraus, und dieser Weg gehört mit zur Einstufung.

Riss- und Raumnutzungsklassen: die zweite Hälfte der Einstufung

Mit der Wassereinwirkungsklasse allein ist eine Abdichtung nicht beschrieben. Die Norm ergänzt sie um Rissklassen, die beschreiben, welche Rissbreite und welche Rissbreitenänderung der Untergrund erwarten lässt, und um Raumnutzungsklassen, die beschreiben, wie trocken der Raum hinter der Abdichtung bleiben soll. Beide Größen wirken unmittelbar auf den Fußbodenaufbau, obwohl sie ihn nicht erwähnen.

  • Die Rissklasse folgt aus dem Untergrund: Eine Bodenplatte schwindet, setzt sich ungleichmäßig und bildet Risse, deren Breite sich mit der Temperatur und der Belastung noch ändert.
  • Aus der Rissklasse ergibt sich, welche Abdichtungsstoffe in Frage kommen, denn nicht jeder Stoff überbrückt eine Rissbewegung dauerhaft.
  • Die Raumnutzungsklasse unterscheidet den Lagerkeller vom Aufenthaltsraum und entscheidet damit, ob auch Wasserdampf zurückgehalten werden soll.
  • Ein Raum mit feuchteempfindlichem Belag liegt in der höchsten Raumnutzungsklasse, unabhängig davon, wie gering die Wassereinwirkung von außen ist.
  • Rissklasse, Raumnutzungsklasse und Wassereinwirkungsklasse werden zusammen abgelesen; erst dieses Tripel führt in Teil 1 zu einer zulässigen Bauart.

Der praktische Nutzen dieser Systematik liegt darin, dass sie die Nutzung in die Konstruktion hineinzieht. Ein Untergeschoss, das als Abstellraum geplant und später als Büro genutzt wird, wechselt die Raumnutzungsklasse, ohne dass sich an der Wassereinwirkung etwas ändert. Der Aufbau, der für den Abstellraum ausreichte, lässt dann einen Feuchtestrom zu, den ein textiler oder ein Holzbelag nicht verträgt. Vor dem Einbau ist diese Klärung eine Rückfrage, danach betrifft sie den gesamten Aufbau.

Wo die Abdichtungsebene liegt und was daran hängt

Für die Bauart stehen zwei Gruppen von Stoffen zur Verfügung. Bahnenförmig sind Bitumen- und Polymerbitumenbahnen, Kunststoff- und Elastomerbahnen sowie Bentonitmatten, die ihre Dichtwirkung erst unter Wasserdruck entwickeln. Flüssig zu verarbeiten sind polymermodifizierte Bitumendickbeschichtungen, rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen und flüssige Kunststoffe. Bahnen werden über Lagenzahl und Nahtausbildung beschrieben, flüssige Stoffe über Trockenschichtdicke, Arbeitsgänge und Verstärkungseinlage.

Für den Fußbodenaufbau ist eine andere Frage wichtiger als der Stoff: Liegt die Abdichtung unter oder auf der Bodenplatte. Bei drückendem Wasser ist eine durchgehende Ebene unter der Platte und an den Außenwänden hochgeführt die Regel, weil nur so eine geschlossene Wanne entsteht. Bei Bodenfeuchte und nicht drückendem Wasser wird die Ebene häufig auf die Platte gelegt. Damit sitzt sie mitten im Fußbodenaufbau, und alles, was darüber folgt, steht auf ihr.

Liegt die Abdichtung auf der Bodenplatte, trägt sie den gesamten Aufbau. Die Schutzlage darüber ist nicht Zubehör, sondern die Bedingung dafür, dass die Ebene den Einbau der Dämmung übersteht.
Liegt die Abdichtung auf der Bodenplatte, trägt sie den gesamten Aufbau. Die Schutzlage darüber ist nicht Zubehör, sondern die Bedingung dafür, dass die Ebene den Einbau der Dämmung übersteht.

Diese Lage hat drei Folgen, die sich später nicht mehr ändern lassen. Der Estrich kann nur nach oben trocknen, weil die Ebene unter ihm dampfdicht ist; die Trocknungszeit verlängert sich entsprechend. Die Dämmschicht muss die Lasten auf eine Ebene abtragen, die weich und verletzlich ist, weshalb eine Schutzlage dazwischen liegt. Und jede Durchdringung – Bodenablauf, Leerrohr, Sockelanschluss – wird eingebunden, solange die Ebene offen zugänglich ist.

Anschlüsse am Sockel und an aufgehende Bauteile

Flächen sind selten das Problem. Undichte Stellen liegen fast immer dort, wo die Abdichtung ihre Richtung ändert oder an ein anderes Bauteil stößt. Am Sockel trifft die erdberührte Abdichtung auf die Außenwand über dem Gelände, und dieser Bereich fällt in eine eigene Einwirkungsklasse, weil er Spritzwasser und Kapillarwasser gleichzeitig ausgesetzt ist. Die Abdichtung wird deshalb über die Geländeoberkante hinaufgeführt; die Norm nennt dafür ein Mindestmaß, das sich an der Spritzwasserhöhe orientiert.

Innen entsteht dieselbe Frage in umgekehrter Richtung. Die Abdichtungsebene auf der Bodenplatte endet nicht an der Wandkante, sondern wird an der aufgehenden Wand hochgeführt, und zwar über die Oberkante des künftigen Estrichs hinaus. Wird sie niedriger geführt, liegt die Anschlussstelle innerhalb des Aufbaus, und Feuchte aus dem Mauerwerk erreicht die Dämmschicht seitlich. Sichtbar ist das später nur an einer Stelle: am Randfugenbereich, dort, wo der Randdämmstreifen die Anschlusshöhe verdeckt.

Aus der Praxis

Wir treffen auf Bodenplatten, auf denen die Abdichtung sauber und vollflächig liegt und zwanzig Zentimeter vor der aufgehenden Wand endet, weil dort beim Betonieren eine Leiste lag. Der Aufbau ist dann an einer Linie offen, die später unter dem Randdämmstreifen verschwindet. Wir gehen den Wandanschluss deshalb einmal komplett ab, bevor die erste Dämmplatte liegt – danach ist die Ebene für niemanden mehr erreichbar.

Was daraus für den Fußbodenaufbau folgt

Aus der Abdichtungsebene folgt der Zeitplan. Ein Estrich über einer dampfdichten Ebene gibt sein Wasser vollständig nach oben ab; die Fläche braucht länger bis zur Belegreife als dieselbe Fläche über einer saugfähigen Decke. Das ist keine Störung, sondern eine Eigenschaft des Aufbaus, und sie gehört in die Terminplanung, weil sich die Trocknung nur über Raumklima und Lüftung beschleunigen lässt, nicht über den Kalender. Der Feuchtegehalt wird gemessen, und der gemessene Wert entscheidet über den Belag.

Die Reihenfolge ist zwingend, weil jeder Schritt die vorige Ebene verdeckt. Nach dem Estricheinbau ist von der Abdichtung nur noch die Randfuge sichtbar.
Die Reihenfolge ist zwingend, weil jeder Schritt die vorige Ebene verdeckt. Nach dem Estricheinbau ist von der Abdichtung nur noch die Randfuge sichtbar.

Aus der Raumnutzung folgt die Materialwahl im Aufbau. Über einer wasserundurchlässigen Betonplatte ohne Abdichtungsebene steht kein flüssiges Wasser an, wohl aber ein Dampfstrom aus der Betonfeuchte und aus dem Erdreich. Ein feuchteempfindlicher Belag braucht dort eine dampfbremsende Schicht im Aufbau oder einen Aufbau, der den Dampf nach oben abführt, ohne ihn unter dem Belag zu sammeln. Über einer abgedichteten Platte entfällt diese Frage, dafür tritt die Trocknungsrichtung des Estrichs an ihre Stelle.

Aus der Einwirkungsklasse folgt schließlich die Aufbauhöhe. Anschlusshöhen an der Wand, Höhenlage der Abdichtung, Schutzlage, Dämmdicke und Estrichdicke addieren sich, und die Oberkante der Bodenplatte ist dabei die einzige Größe, die schon feststeht. Wird dieser Stapel erst nach dem Betonieren gerechnet, geht die Höhe an der Türschwelle oder am Treppenantritt verloren. Die verlässlichste Reihenfolge ist daher: Einstufung, Bauart, Lage der Ebene, dann der Aufbau darüber – und zwar vor dem Aushub, weil jede dieser Festlegungen die Höhenlage des Gebäudes berührt.

Wie wir diese Vorgaben in der Ausführung umsetzen, steht auf der Leistungsseite Estricharbeiten. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Ist eine wasserundurchlässige Bodenplatte eine Abdichtung nach DIN 18533?

Nein, sie ist eine eigene Bauweise mit eigenem Regelwerk. Für den Bodenaufbau ist vor allem der physikalische Unterschied wichtig: Sie hält flüssiges Wasser zurück, aber keinen Wasserdampf. Bei feuchteempfindlichen Belägen wird deshalb geklärt, welche Schicht im Aufbau den Dampfstrom begrenzt.

Warum verändert eine Dränung die Wassereinwirkungsklasse?

Weil die Klasse beschreibt, welches Wasser tatsächlich am Bauteil ansteht. Führt eine Dränung das Sickerwasser ab oder ist der Boden stark durchlässig, kann sich kein Druck aufbauen, und es liegt nicht drückendes Wasser vor. Ohne diesen Weg staut sich Wasser vor dem Bauteil, und die Einstufung wechselt samt Bauart und Anschlusshöhen.

Liegt die Abdichtung besser unter oder auf der Bodenplatte?

Das ergibt sich aus der Einwirkungsklasse und nicht aus einer Vorliebe. Drückendes Wasser verlangt eine geschlossene Ebene unter der Platte, bei Bodenfeuchte ist die Ebene auf der Platte üblich. Liegt sie oben, trägt sie den Aufbau, braucht eine Schutzlage und verlängert die Trocknungszeit des Estrichs, weil dieser nur nach oben austrocknen kann.

Wie weit wird die Abdichtung am Wandanschluss hochgeführt?

Innen über die Oberkante des künftigen Estrichs hinaus, damit die Anschlussstelle außerhalb des Aufbaus liegt. Am Sockel außen über die Geländeoberkante hinaus, weil dort Spritzwasser und Kapillarwasser zusammentreffen; das Mindestmaß nennt die Norm. Beide Höhen ergeben sich aus der Aufbauplanung und liegen vor dem Estricheinbau fest.

Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.

Schicken Sie uns das Leistungsverzeichnis, den Grundriss oder einfach Fläche und Termin. Wir prüfen Ihre Angaben und klären den nächsten Schritt zur Kalkulation – mit einem Hinweis, wenn am geplanten Aufbau etwas nicht zusammenpasst.