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Schallschutz bei Hohl- und Doppelböden

Systemböden Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Ein Systemboden ist schalltechnisch kein schwimmender Estrich mit Luft darunter. Die Last läuft über einzelne Stützen in die Rohdecke, der Hohlraum verbindet Räume, die an der Wand getrennt sind, und die Nutzschicht ist eine leichte, punktgelagerte Platte. Aus diesen drei Eigenschaften entstehen die typischen Befunde: Schritte im Raum darunter und Sprache aus dem Nachbarbüro, obwohl die Trennwand für sich geprüft und ausreichend ist.

Warum ein Systemboden anders reagiert als ein schwimmender Estrich

Beim schwimmenden Estrich liegt eine schwere Platte flächig auf einer weichen Dämmschicht, und die Feder wirkt an jeder Stelle der Fläche. Im Doppelboden verlässt dieselbe Energie die Platte an vier Punkten: den Stützenköpfen, auf denen sie aufliegt. Was dort nicht gedämpft wird, gelangt unvermindert in die Rohdecke. Entkopplung ist damit keine Eigenschaft einer Schicht, sondern eine Eigenschaft weniger Bauteile mit einer Auflagefläche von wenigen Quadratzentimetern.

Die zweite Abweichung ist die Masse. Eine Systembodenplatte ist im Verhältnis zu einer Estrichplatte dünn und leicht, und sie schließt darunter ein großes Luftvolumen ein. Leichte Schale und großes Luftvolumen bilden ein Feder-Masse-System, dessen Resonanz umso tiefer liegt, je höher der Hohlraum und je leichter die Platte ist. Fällt sie in den Bereich, in dem Gehen und Rollen ihre Energie haben, wirkt der Aufbau dort nicht verbessernd, sondern verstärkend.

Die dritte Abweichung betrifft den Raum unter der Platte. Im schwimmenden Aufbau liegt dort eine Dämmschicht, die Luftschall bedämpft; im Systemboden liegt dort Luft, und diese Luft ist über die ganze Geschossfläche zusammenhängend. Damit hat der Fußboden zwei schalltechnische Aufgaben, die nichts miteinander zu tun haben: die Übertragung nach unten in den darunterliegenden Raum und die Übertragung waagerecht in den Nachbarraum.

Last und Körperschall nehmen denselben Weg. Wirksam ist nur eine Dämpfung, die in dieser Kette liegt – am Stützenkopf, am Stützenfuß oder an beiden Stellen.
Last und Körperschall nehmen denselben Weg. Wirksam ist nur eine Dämpfung, die in dieser Kette liegt – am Stützenkopf, am Stützenfuß oder an beiden Stellen.

Die Stütze ist Lastweg und Schallweg zugleich

Körperschall folgt der Steifigkeit. Er läuft dort, wo die Ankopplung fest ist, und das ist im Systemboden genau der Weg, der die Last trägt: Plattenkante, Stützenkopf, Stützenrohr, Fußteller, Klebefuge, Rohdecke. Eine Dämpfung wirkt nur, wenn sie in diesem Weg liegt. Alles, was daneben liegt, wirkt auf andere Übertragungswege, aber nicht auf diesen.

Gedämpft wird deshalb am Kopf, am Fuß oder an beiden Stellen. Am Kopf fängt eine elastische Auflage den Stoß zwischen Plattenkante und Kopfteller ab und wirkt zugleich gegen das Gehgeräusch im Raum selbst. Am Fuß leitet ein Dämpfungselement die Last über eine Feder in die Rohdecke ein. Beide Maßnahmen stehen unter derselben Einschränkung: Die Feder darf nur so weich sein, dass die Platte unter der planmäßigen Nutzlast nicht sichtbar einsinkt und die Fläche beim Gehen nicht federt. Die Entkopplung einer Systembodenfläche endet dort, wo die Lastklasse beginnt.

  • Die Zahl der Übertragungspunkte folgt aus dem Raster: Ein engeres Stützenraster erhöht die Tragfähigkeit und gleichzeitig die Zahl der Stellen, an denen Körperschall in die Decke gelangt.
  • Elastische Elemente unter dem Stützenfuß verlangen eine ebene, tragfähige Auflagefläche, weil sich die Last sonst auf einer Teilfläche des Tellers konzentriert und die Feder ungleichmäßig arbeitet.
  • Starre Beilagen, verklemmte Zuschnittreste und Mörtelhäufchen unter dem Teller heben die Dämpfung punktweise auf und sind später nur durch Öffnen der Platte zu finden.
  • Rohre, Kanäle und Trassen, die im Hohlraum gleichzeitig an der Rohdecke und an der Plattenunterseite starr befestigt sind, bilden einen zweiten, ungewollten Lastweg.
  • Jede Trennwand, die unmittelbar auf der Systembodenplatte steht, koppelt Wand und Platte und überträgt Körperschall in beide Richtungen.

Eine unterbrochene Dämpfung verrät sich später an der Verteilung des Befunds. Ist die Übertragung über die ganze Fläche gleich, liegt sie am System oder an der Decke. Tritt sie in einzelnen Achsen oder Streifen auf, gibt es dort einen zusätzlichen starren Weg: eine befestigte Trasse, eine aufsitzende Trennwand, ein verklemmtes Bauteil.

Der Hohlraum verbindet Räume, die getrennt sein sollen

Sprache aus dem Nachbarbüro ist der häufigste Befund auf Systembodenflächen, und der Weg dorthin führt nicht durch die Trennwand. Luftschall regt die Bodenplatte an, gelangt über Fugen, Auslässe und Ausschnitte in den Hohlraum, läuft dort unter der Trennwand hindurch und strahlt im Nachbarraum über die Platte wieder ab. Der Hohlraum ist ein kaum bedämpfter Kanal mit glatten Wänden; über die kurzen Entfernungen zwischen zwei Räumen geht auf diesem Weg wenig Energie verloren.

Die Schwachstellen dieses Wegs sind selten die Plattenfugen, sondern die planmäßigen Öffnungen: Auslässe für Möblierung und Technik, Bodentanks, Ausschnittplatten an Unterflurkanälen, Kabeldurchführungen zu Wandanschlüssen und offene Randfugen an Fassade und Schacht. In vielen Geschossen liegen diese Öffnungen gehäuft genau dort, wo Vertraulichkeit gefordert ist – an Besprechungsräumen, Einzelbüros und Arztzimmern.

Vorentschieden wird die waagerechte Übertragung durch die Lage der Trennwand. Eine Wand, die von Rohdecke zu Rohdecke geführt wird und neben der die Systembodenfläche endet, trennt beide Seiten vollständig. Eine Wand, die auf der fertigen Fläche steht, lässt Platte und Hohlraum unter sich durchlaufen; sie trennt die Luft im Raum und nichts darunter. Zugleich wird die durchlaufende Platte zur Körperschallbrücke zwischen beiden Räumen.

Ob die Wand auf der Rohdecke oder auf der Platte endet, entscheidet über den Weg unter ihr hindurch.
Ob die Wand auf der Rohdecke oder auf der Platte endet, entscheidet über den Weg unter ihr hindurch.

Abschottungen: die Trennung im Hohlraum weiterführen

Steht die Wand auf der Fläche, muss die Trennung im Hohlraum nachgebildet werden. Ein Schott ist dabei nichts anderes als eine dichte, formstabile Ausfüllung des Hohlraums in der Wandachse, von der Rohdecke bis an die Plattenunterseite. Zwei Fehler machen es wirkungslos: ein Spalt am oberen oder unteren Anschluss und eine Unterbrechung dort, wo Kabel die Achse queren. Ein Schott mit einer handbreit offenen Stelle ist schalltechnisch kein Schott.

  • Die Achsen aller künftigen Trennwände werden aus dem Ausbauplan in den Hohlraum übertragen, bevor die Fläche geschlossen wird.
  • Die Querungen der Achse werden festgelegt und gebündelt, damit nicht jede einzelne Leitung eine eigene Fehlstelle erzeugt.
  • Das Schott wird von der Rohdecke bis an die Plattenunterseite eingebaut, ohne die Höhenjustierung der benachbarten Stützen zu verändern.
  • Der Anschluss oben und unten wird geschlossen; ein verbleibender Spalt wird mit dauerelastischem Material ausgefüllt statt offen gelassen.
  • Jede Durchdringung wird einzeln geschlossen, und zwar nach dem Einziehen der Leitungen, nicht davor.
  • Lage und Aufbau der Schotts werden im Revisionsplan festgehalten, weil die Fläche später geöffnet wird und das Schott dabei verletzt werden kann.

Aus der Praxis

Wir öffnen bei Beschwerden über Sprachverständlichkeit zwischen zwei Büros zuerst die Platten unmittelbar neben der Trennwand, auf beiden Seiten. In den meisten Fällen ist das Schott vorhanden, an einer Kabelquerung aber auf einer Länge von wenigen Dezimetern offen, weil dort später Leitungen eingezogen wurden. Wir schließen diese Stellen und lassen sie im Revisionsplan vermerken, damit der nächste Umbau sie wiederfindet.

Brandschutz und Schallschutz treffen im Hohlraum in derselben Achse zusammen, verlangen aber nicht dasselbe. Ein Schott, das gegen Rauch und Temperatur nachgewiesen ist, kann schalltechnisch wirksam sein, ist es aber nicht automatisch; umgekehrt erfüllt ein Schallschott ohne Nachweis keine Brandschutzanforderung. Wo beides gefordert ist, wird ein Bauteil festgelegt, das beides nachweisbar leistet, statt zwei Schotts hintereinander zu setzen.

Zwei Hohlräume an einer Rohdecke

In Bürogeschossen liegt über der Rohdecke ein Bodenhohlraum, und unter derselben Decke liegt im Raum darunter häufig ein Deckenhohlraum. Für die waagerechte Übertragung gibt es damit zwei parallele Wege, und maßgebend ist der ungünstigere. Eine sorgfältig abgeschottete Bodenfläche bringt wenig, wenn die abgehängte Decke im Geschoss darunter in derselben Achse offen durchläuft. Beide Ebenen werden deshalb in derselben Achse und mit demselben Ziel geschlossen.

Für die Übertragung nach unten wirken Bodenhohlraum und Deckenhohlraum als zusätzliche Schalen an einer massiven Decke. Mehrschalige Systeme verhalten sich nicht additiv: Jede Schale hat ihre eigene Resonanz, und liegen zwei davon nahe beieinander, fällt das Ergebnis schlechter aus als die Einzelbetrachtung erwarten lässt. Abhänger, die starr an der Decke befestigt sind, bilden zusätzlich einen Körperschallweg, der die Wirkung der abgehängten Decke örtlich aufhebt.

Daraus folgt eine Reihenfolge in der Planung: zuerst die Decke und ihre Masse, dann die Lage der Trennwände in Bezug auf beide Hohlräume, dann die Schotts, und erst am Ende die Feinheiten am Stützenkopf. Wer sie umdreht, arbeitet am Bauteil mit dem kleinsten Hebel.

Welche Angaben eine schalltechnische Aussage tragen

Kennwerte für Systemböden entstehen an einer geprüften Konfiguration, nicht an einer Bauart. Geprüft wird ein bestimmter Plattentyp mit bestimmter Dicke, auf einem bestimmten Raster, mit einer bestimmten Kopf- und Fußausbildung und einer bestimmten Hohlraumhöhe. Wird eine dieser Größen auf der Baustelle geändert, etwa das Raster wegen der Lastklasse oder die Hohlraumhöhe wegen der Trassen, beschreibt der Kennwert die ausgeführte Fläche nicht mehr.

Für die Bewertung gilt dasselbe wie bei jedem anderen Fußbodenaufbau: Ein Prüfstandswert ist keine Prognose für das Bauwerk, und der Ausgangswert der Rohdecke entscheidet mit. Anforderungen nach DIN 4109 richten sich auf den Schutz gegenüber fremden Nutzungseinheiten. Was den Nutzer im Bürogeschoss beschäftigt – Vertraulichkeit zwischen zwei Räumen derselben Einheit –, ist dagegen keine Trittschallgröße, sondern eine Frage der Längsschalldämmung über Wand, Boden und Decke.

Damit eine Fläche beurteilbar bleibt, gehören wenige Angaben in die Unterlagen: Plattentyp und Plattendicke, Raster und Lastklasse, Ausbildung von Stützenkopf und Stützenfuß, lichte Hohlraumhöhe, Lage und Aufbau der Schotts sowie die Lage der Öffnungen in der Fläche. Diese Zusammenstellung füllt eine Seite und entscheidet darüber, ob ein späterer Befund auf eine Ursache zurückgeführt werden kann oder ob die ganze Fläche geöffnet werden muss.

Sie planen einen Hohlboden? Unsere Leistungsseite erläutert Bauweisen, Lastklassen und Schnittstellen: Hohlboden. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Bringt eine Dämmmatte im Hohlraum mehr Schallschutz?

Eine Auflage auf der Rohdecke bedämpft das Luftvolumen und wirkt damit gegen die Hohlraumresonanz und gegen die waagerechte Übertragung. Den Körperschall über die Stützen erreicht sie nicht, weil dieser Weg an ihr vorbeiläuft. Sinnvoll ist sie als Ergänzung, nicht als Ersatz für die Entkopplung am Lastweg, und sie darf Trassen und Reinigung des Hohlraums nicht behindern.

Warum hört man Schritte im Raum darunter, obwohl die Fläche einwandfrei montiert ist?

Weil der Ausgangswert der Rohdecke das Ergebnis bestimmt und ein Systemboden tieffrequent wenig verbessert: Eine leichte Platte über einem hohen Hohlraum hat ihre Resonanz dort, wo Schritte Energie haben. Bleibt die Anforderung hoch, wird die Verbesserung an der Decke gesucht, nicht am Stützenkopf.

Muss jede Trennwand im Hohlraum abgeschottet werden?

Abgeschottet wird dort, wo zwischen zwei Räumen eine Anforderung an die Schalldämmung besteht und die Wand auf der Systembodenfläche steht. Innerhalb eines Raumzusammenhangs ohne Anforderung ist ein Schott ohne Wirkung auf das Ergebnis. Bei Wänden, die von Rohdecke zu Rohdecke geführt sind, erledigt sich die Frage konstruktiv.

Reicht ein Brandschott als Schallschott?

Nur wenn es dafür geprüft ist. Beide Aufgaben verlangen Dichtheit, aber ein brandschutztechnisch wirksames Schott kann aus einem Material bestehen, dessen Längsschalldämmung nicht nachgewiesen ist. Wo beides in derselben Achse gefordert ist, wird ein Bauteil mit beiden Nachweisen gewählt.

Besprechen wir Aufbau, Ausführung und Termin Ihres Projekts.

Schicken Sie uns das Leistungsverzeichnis, den Grundriss oder einfach Fläche und Termin. Wir prüfen Ihre Angaben und klären den nächsten Schritt zur Kalkulation – mit einem Hinweis, wenn am geplanten Aufbau etwas nicht zusammenpasst.