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Systemböden planen: welche Angaben die Ausführung braucht

Systemböden Batuhan Özbek, Bauingenieur (B.Sc.)

Ein Systemboden ist ein vorgefertigtes Bauteil, das aus Angaben entsteht und nicht aus Erfahrungswerten der Baustelle. Fehlt eine dieser Angaben, wird sie beim Materialabruf ersetzt – meist durch die naheliegende Annahme, und die ist an Systemböden oft die falsche, weil Platte, Stütze und Höhe als System bestellt werden. Die folgenden Angaben entscheiden über das Material und lassen sich später nicht ohne Ausbau ändern.

Angaben statt Produktbezeichnung

In Leistungsbeschreibungen steht häufig eine Systembezeichnung mit Plattenformat und Höhe, und alles Weitere gilt als üblich. Für einen Systemboden reicht das nicht, weil die tragende Konstruktion, die Plattendicke, der Kern und die Stützenausbildung aus mehreren unabhängigen Anforderungen folgen. Eine Fläche für Verkehrslasten im Bürogeschoss und eine Fläche, auf der Gerätewagen fahren, können dasselbe Raster und dieselbe Höhe haben und trotzdem völlig unterschiedliche Bauteile sein.

Die Angaben stehen nicht gleichrangig nebeneinander. Es gibt eine Reihenfolge der Abhängigkeit: Aus der Nutzung folgt die Last, aus der Last folgen Platte und Stützenabstand, aus dem Inhalt des Hohlraums folgt die Höhe, und erst daraus ergibt sich, ob der Aufbau in die verfügbare Aufbauhöhe passt. Wer in der anderen Richtung beginnt und mit der Restdicke anfängt, landet regelmäßig bei einer Konstruktion, die tragfähig, aber im Hohlraum unbrauchbar ist.

AngabeWoraus sie folgtWas ohne sie festgelegt wird
LastklasseNutzung, Geräte, TransportwegeAnnahme für Bürobetrieb, keine Reserve für Gerätewagen
HohlraumhöheInhalt des Hohlraums und LuftbedarfRestmaß aus der Aufbauhöhe, Installation passt nicht
RasterbezugAchsen, Fassade, TrennwandrasterBeginn an einer Wand, unruhiges Fugenbild
BelagsartNutzung, Reinigung, OptikWerkseitiger Standardbelag, Randzonen unklar
AbleitfähigkeitTechnikausstattung und BetriebNicht ableitfähige Fläche, Nachrüstung nur mit Belagswechsel
BrandverhaltenNutzung und BrandschutzkonzeptBaustoffklasse des Kerns bleibt offen

Jede fehlende Angabe wird ersetzt, sobald bestellt wird. Die Spalte rechts zeigt, welche Annahme dann eintritt.

Nutzung und Last: die Angabe, an der alles andere hängt

Die Lastangabe für einen Systemboden ist keine Flächenlast allein. Maßgebend ist in der Regel die Einzellast auf kleiner Fläche, weil Platten über die Ecken und Kanten tragen und eine Punktlast in Plattenmitte die ungünstigste Stelle trifft. Gefragt sind deshalb die konkreten Lasten: Gewicht und Radlast von Transportwagen, Aufstellgewicht schwerer Geräte, Lasten aus Schränken und Regalen, und zwar mit ihrer Lage im Raum. Eine Fläche, über die einmal täglich ein beladener Wagen fährt, braucht nicht überall die höchste Lastklasse, wohl aber auf der Fahrspur.

  • Zu benennen sind die schwersten Geräte mit Aufstellgewicht und Standfläche, weil daraus die Einzellast folgt und nicht aus einer pauschalen Flächenlast.
  • Transport- und Rettungswege gehören in den Plan, denn auf ihnen entstehen Rollenlasten, die in der übrigen Fläche nicht auftreten.
  • Der Bauzustand ist mit anzugeben, weil Gerüste, Hubwagen und Materialpaletten die Fläche oft stärker belasten als der späte Betrieb.
  • Unterschiedliche Lastklassen in einer Fläche sind zulässig und wirtschaftlich, brauchen aber eine gezeichnete Grenze und eine definierte Übergangszone.
  • Bei Geräten mit eigener Aufstellfläche ist anzugeben, ob sie auf der Systembodenfläche stehen oder bis auf die Rohdecke abgetragen werden.

Die Prüfung und Einteilung der Lastklassen ist ein eigenes Thema; für die Planung zählt, dass die Klasse eine Folge der genannten Lasten ist und keine frei wählbare Qualitätsstufe. Wird sie zu hoch angesetzt, steigt die Plattendicke und mit ihr die Aufbauhöhe; wird sie zu niedrig angesetzt, brechen die Plattenkanten im ersten Betriebsjahr an den Fahrspuren.

Die Hohlraumhöhe folgt aus dem Inhalt

Der Hohlraum ist ein Installationsraum, und seine Höhe ergibt sich aus dem, was darin liegen und noch gekreuzt werden soll. Maßgebend ist nicht die Summe der Querschnitte, sondern der ungünstigste Punkt: die Kreuzung zweier Kabelpritschen, der Übergang eines Luftkanals in die Verteilung, die Konsole unter einem Auslass. Dazu kommt der Raum, der zum Arbeiten nötig ist, denn eine Leitung, die niemand mehr erreicht, ist im Hohlraum falsch verlegt.

Die Höhe wird an der Kreuzung bestimmt, nicht an der einzelnen Leitung. Darüber bleibt der Raum, den Montage und Revision brauchen.
Die Höhe wird an der Kreuzung bestimmt, nicht an der einzelnen Leitung. Darüber bleibt der Raum, den Montage und Revision brauchen.

Anzugeben sind daher nicht nur die Gewerke, die den Hohlraum nutzen, sondern ihre Belegung in der Fläche. Eine gleichmäßig verteilte Kabelbelegung verlangt weniger Höhe als dieselbe Kabelmenge, die sich vor einem Verteiler auf wenigen Quadratmetern sammelt. Wird Luft durch den Hohlraum geführt, ist der freie Querschnitt eine eigene Anforderung, die neben den Installationen bestehen muss und nicht von ihnen aufgebraucht werden darf. Ebenso gehört die Toleranz der Rohdecke in die Rechnung, weil der Justierweg der Stützen unten verbraucht wird und nicht oben zur Verfügung steht.

Der Rasterbezug ist eine Planungsangabe

Das Rastermaß steht meist in der Beschreibung, der Rasterbezug fast nie. Gemeint ist die Festlegung, an welcher Achse oder an welchem Punkt im Geschoss das Raster beginnt und in welche Richtung es läuft. Diese Festlegung entscheidet, wo im Raum die Anpassplatten liegen, wie das Fugenbild an Fassade und Türen aussieht und ob Auslässe und Trennwandachsen auf Rasterlinien fallen. Sie ist in der Planung eine Linie im Grundriss und auf der Baustelle nicht mehr frei wählbar.

Zusammen mit dem Bezug gehören drei weitere Angaben in den Plan: die Lage künftiger Trennwände, damit Anschlüsse nicht mitten auf einer Platte entstehen; die Lage der Auslässe und Bodentanks, weil sie im Raster geschnitten werden; und die Bereiche, in denen die Fläche fest bleibt, etwa unter durchlaufenden Einbauten. Ohne diese Angaben entsteht eine technisch einwandfreie Fläche mit einem Fugenbild, das sich später nur durch Rückbau ändern lässt.

Oberfläche: Belag, Ableitfähigkeit, Brandverhalten

Beim Belag ist zuerst festzulegen, ob er werkseitig auf die Platte aufgebracht wird oder nach der Montage auf der Fläche. Diese Entscheidung bestimmt, ob die Platte ein fertiges austauschbares Bauteil bleibt oder ob die Fläche beim Öffnen geschnitten werden muss. Danach folgen die Angaben, die sich aus der Nutzung ergeben: Nutzungsklasse, Reinigungsverfahren, Verhalten unter Rollen und die Behandlung der Randzonen, in denen kein voller Plattenbelag mehr liegt.

Für ableitfähige Flächen ist nicht der Begriff die Angabe, sondern die Anforderung: Welcher Widerstandsbereich ist gefordert, gegen welchen Bezugspunkt wird gemessen, und wie viele Erdungsanschlüsse sind vorgesehen. Diese Angaben wirken bis in die Bestellung, weil Belag, Klebstoff und Unterkonstruktion aufeinander abgestimmt werden müssen. Eine Fläche, die ohne diese Angabe montiert wurde, lässt sich nur durch Belagswechsel ergänzen.

Der dritte Punkt ist das Brandverhalten, und es betrifft zwei verschiedene Bauteile: den Baustoff der Platte mit ihrem Belag und die Frage, ob der Hohlraum brandschutztechnisch unterteilt werden muss. Das eine ist eine Materialangabe, das andere ein Bauteil im Hohlraum, das geplant, eingebaut und geprüft wird. Beides gehört früh geklärt, weil eine Unterteilung im Hohlraum die Installationsführung verändert.

Revisionspunkte und die Schnittstellen zu Elektro und Lüftung

Beim Doppelboden ist jede Platte ein Revisionspunkt, beim Hohlboden sind es die geplanten Öffnungen. Daraus folgt eine Angabe, die in Ausschreibungen selten steht: Wo und wie oft muss der Hohlraum später erreichbar sein. Für den Hohlboden bedeutet das eine Zeichnung mit Lage und Anzahl der Öffnungen, abgeleitet aus den Punkten, an denen Installationen abgehen, zusammenlaufen oder Bauteile bedient werden. Zu wenige Öffnungen führen dazu, dass im Betrieb aufgestemmt wird; zu viele schwächen die Fläche und erhöhen die Zahl der Anschlussfugen.

Die Schnittstelle zu Elektro und Lüftung ist vor allem eine Frage der Reihenfolge und der Bezugshöhen. Beide Gewerke arbeiten im Hohlraum, bevor die Fläche geschlossen wird, und beide bringen Bauteile ein, die durch die Fläche hindurchreichen. Damit sind drei Angaben nötig: die Oberkante der fertigen Fläche als gemeinsamer Bezug, die Lage und Einbauhöhe aller Auslässe und Bodentanks, und der Zeitpunkt, ab dem der Hohlraum für die Installation freigegeben ist. Fehlt der gemeinsame Höhenbezug, werden Auslässe auf eine geschätzte Oberkante gesetzt und stehen später über oder unter der Fläche.

Die Angaben in dieser Reihenfolge festgelegt, bleibt jeder Schritt entscheidbar. In der umgekehrten Richtung wird jede Festlegung zur Einschränkung der vorhergehenden.
Die Angaben in dieser Reihenfolge festgelegt, bleibt jeder Schritt entscheidbar. In der umgekehrten Richtung wird jede Festlegung zur Einschränkung der vorhergehenden.

Aus der Praxis

Wir fragen vor dem Materialabruf immer nach dem schwersten Gerät und nach seinem Weg in den Raum. In einem Technikgeschoss stellte sich dabei heraus, dass die Anlieferung über eine Fläche lief, die für Bürolasten geplant war – zwei Rasterreihen wurden daraufhin in der höheren Lastklasse ausgeführt. Das kostet in der Planung eine Frage und in der Ausführung eine Materialposition; nach der Montage wäre es ein Ausbau gewesen.

Sie planen einen Hohlboden? Unsere Leistungsseite erläutert Bauweisen, Lastklassen und Schnittstellen: Hohlboden. Für eine erste Abstimmung helfen Projektort, Fläche und Ausführungszeitraum.

Häufige Fragen

Reicht die Angabe einer Flächenlast für die Auswahl der Platten aus?

In der Regel nicht, weil Systembodenplatten über Ecken und Kanten tragen und die maßgebende Belastung eine Einzellast in Plattenmitte ist. Gefragt sind die konkreten Einzel- und Radlasten mit ihrer Lage in der Fläche. Aus ihnen folgt die Lastklasse, nicht umgekehrt.

Wer legt die Hohlraumhöhe fest, wenn die Installationsplanung noch läuft?

Technisch sinnvoll ist es, die Höhe aus einer belegten Annahme für den ungünstigsten Kreuzungspunkt abzuleiten und diese Annahme im Plan zu dokumentieren. Wird die Installationsplanung später konkreter, lässt sich gegen diese Annahme prüfen. Die Höhe aus der verbleibenden Aufbauhöhe zu bilden, führt dagegen fast immer zu einem zu flachen Hohlraum.

Kann die Lastklasse innerhalb einer Fläche wechseln?

Ja, und bei großen Flächen mit definierten Transportwegen ist das die sinnvolle Lösung. Die Grenze muss gezeichnet sein und eine Übergangszone haben, weil sonst auf der Baustelle nicht erkennbar ist, welche Platte wohin gehört. Die Kennzeichnung gehört auch in die Übergabedokumentation.

Was ist bei Ableitfähigkeit anzugeben?

Der geforderte Widerstandsbereich, der Bezugspunkt der Messung und die Anzahl und Lage der Erdungsanschlüsse. Ohne diese Angaben lassen sich Belag, Klebstoff und Unterkonstruktion nicht abgestimmt bestellen, und eine Ergänzung nach der Montage ist nur über einen Belagswechsel möglich.

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